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Wie sich Natur eines Landes durch Veränderung der Einkommen wandelt

Wächst die Wirtschaft in armen Ländern, steigt die Nutzung von Umweltressourcen und Waldflächen verkleinern sich. Wird aber ein gewisses Einkommensniveau erreicht, stagniert auch die Abholzung – und die Wälder beginnen wieder zu wachsen.

Diese Auswirkungen volkswirtschaftlicher Veränderungen auf die Bewaldung und damit das globale Ökosystem zeigt nun eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien.

In der Ökonomie beschreibt die sogenannte Kuznets-Kurve, dass die ökonomische Ungleichheit während der Entwicklung eines Landes zunächst ansteigt und ab einem bestimmten Wohlstand wieder abfällt. Hypothesen zufolge soll es diesen Zusammenhang mit dem Wirtschaftswachstum auch mit Umweltverschmutzung und der Waldnutzung in einem Land geben.

 Jesus Crespo Cuaresma, Leiter des Instituts für Makroökonomie der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, hat gemeinsam mit Kollegen des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) nun die Theorie einer waldbezogenen Kuznets-Kurve bestätigt. Er verwendete dafür Satellitenbilder und konzentrierte sich weltweit auf Ländergrenzen. Für die Analyse wurden dann jene Gebiete ausgewählt, in denen innerhalb einer 50-Kilometer-Zone auf beiden Seiten der Grenze gleiche klimatische und geologische Gegebenheiten vorhanden sind.

 Die Ergebnisse zeigen nach Angaben der Wissenschafter klar die intensiven Abholzungen in armen Ländern mit wachsender Wirtschaft. “Wir gehen davon aus, dass die massive Abholzung in armen Ländern durch den Handel mit Holz als Rohstoff und zusätzlich durch niedrige Energiekosten, weil Holz als billigerer Energielieferant gilt, erst stark zunimmt”, erklärte Crespo Cuaresma in einer Aussendung der WU.

 Ab einem Bruttoinlandsprodukt von 5.500 Dollar (kaufkraftbereinigt) stoppt die Zunahme der Waldnutzung. Ab diesem Punkt ist wieder ein Wachstum der Waldflächen zu erwarten. “Ab einem bestimmten Level an Wohlstand wird Wald nicht mehr in der Intensität wie vorher als Energielieferant und Handelsressource genutzt. Zudem gehen wir davon aus, dass wohlhabendere Menschen eventuell auch mehr Umweltbewusstsein oder auch mehr Zeit für Natur und Wald haben”, so der Wirtschaftswissenschafter.

Die Ergebnisse der Studie bedeuten angesichts der CO2-Speicherkapazität der Wälder auch einen neuen Aspekt für die Klimaforschung. In Kombination mit Einkommensszenarien könne man zukünftig abschätzen, wie viel Wald es in Zukunft gibt.