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Studiengang „Fashion & Technology“ denkt Mode neu

Studiengang „Fashion & Technology“ gewinnt den 1. Platz des Sustainability Award 2020 in der Kategorie LEHRE UND CURRICULUM. Ute Ploier (Studiengangsleiterin, Kunstuniversität Linz) spricht über das innovative Studium, dessen Projekte und Entstehung sowie künftige Entwicklungen und Jobaussichten für Studierende.

Mode neu gedacht

Der Studiengang „Fashion & Technology“ an der Kunstuniversität Linz wurde beim diesjährigen Sustainability Award ausgezeichnet. Mit dem Ansatz und der Vermittlung einer nachhaltig gestalteten Modewelt mithilfe des Einsatzes traditioneller Techniken und moderner Technologien überzeugte er die Jury in der Kategorie LEHRE UND CURRICULUM.

 

Die Welt der Mode befindet sich im Umbruch

Mode ist in den letzten Jahren vielerorts immer mehr zum Wegwerfprodukt geworden. Schnelllebige Modetrends, denen es vermeintlich zu folgen gilt, geschehen oftmals auf Kosten der Umwelt und Menschen. Diese werden nämlich für die Herstellung von kurzlebigen Modeartikeln ausgebeutet. Das ist Fast Fashion. Seit geraumer Zeit kristallisiert sich zunehmend eine Gegenbewegung heraus. Die Zahl jener Menschen, welche sich bewusst ihrer Mode hingeben sowie möglichst nachhaltige Kleidung anziehen, steigt.

 

Studiengang Fashion & Technology

Diesen Trend, welcher den ökologischen und sozialen Problemen in der Modewelt entgegenwirken möchte, unterstützt der Studiengang „Fashion & Technology“. Angesiedelt an der Kunstuniversität Linz, bietet er den Studierenden an, sich mit zukunftsorientierten und nachhaltigen Materialien, Designs, Strategien und Technologien auseinanderzusetzen. Das ist europaweit einzigartig. Studierende werden auf das Spannungsfeld von Mode und Technologie vorbereitet, lernen traditionelle und moderne Technologien miteinander zu verbinden und werden auf die umweltbewusste, menschenwürdige und regionale Produktion sensibilisiert. Das Bestreben nach innovativen und nachhaltigen Designlösungen zieht sich durch die ganze Studienzeit und wird mit Forschen und Entwicklung neuartiger Gewebe und Technologien nachhaltig und zukunftsreif.

 

Im Gespräch mit Studiengangsleiterin Ute Ploier

Ute Ploier ist Leiterin des Studiengangs „Fashion&Technology“. Sie spricht über das innovative Studium, dessen Projekte und Entstehung sowie künftige Entwicklungen und Jobaussichten für Studierende.

 

OS4S: Wann und warum ist der Studiengang „Fashion & Technology“ entstanden – Welche Notwendigkeit und Motivation gab es dafür?

Ploier: Unser Studium wurde als ein neues Konzept eines Modestudiums entwickelt. Nachdem Linz und seine Umgebung sehr stark von Industrie und Innovation geprägt sind, wurde der Studiengang „Fashion & Technology“ auch deshalb entwickelt, um die naheliegende Industrie für modische Zwecke zu nutzen und mit deren Hilfe Mode neu zu denken. Der Ansatz war, durch den kreativen Einsatz von Technologie, die Modewelt sozial und ökologisch besser gestalten zu können. Mit diesem innovativen Angebot sollten auch Modestudierende aus aller Welt angelockt werden. Dies ist auch gelungen. Aktuell sind Studierende aus über 20 Nationen inskribiert.

OS4S: Sie geben in Ihrer Projektbeschreibung an: „In Lehre und Forschung entwickelt der Studiengang zukunftsorientierte, umwelt- und ressourcenschonende Prozesse, Materialien und Strategien“. Geben Sie bitte Beispiele, was man sich darunter vorstellen kann.

Ploier: Eine Aufgabe der Studierenden ist immer, zu sehen, wie die Modewelt gerade funktioniert. Basierend darauf entscheiden sie sich für ökologischen oder sozialen Themenschwerpunkt in ihrem Studium sowie in ihren Projekten. Es geht stets darum, Design und Forschung zu verbinden. Konkret kann das beispielsweise eine neue Webtechnik, mit der ein Kleidungsstück direkt gefertigt werden kann, sein. Dabei entfällt das Zuschneiden und Zusammennähen der Einzelteile und infolgedessen auch das anfallende Abfallaufkommen in den einzelnen Produktionsschritten. Ein anderes Projekt im Rahmen einer Bachelorarbeit war die Nutzung von Mikroorganismen als Garnproduzenten. Dabei wurden Zellulosefasern, welche üblicherweise als Abfallprodukt von Bakterien anfallen, für die weitere Garnproduktion genutzt. Zur Produktion dieses Materials braucht es somit keine Ackerflächen oder Pestizide. Die Mikroorganismen können im Labor auf kleinstem Raum gehalten werden. Der Grundgedanke hinter dieser Forschungsidee war die Reduktion des Footprints durch Zurückgreifen auf andere Ressourcen, da manche Rohstoffe wie Baumwolle in Zukunft knapper werden. In einem anderen Projekt im Rahmen des Studiums ging es um das Neudenken des Entwicklungsprozesses von Mode. Hierbei wurde der Körper der Kundin oder des Kunden abgescannt. Hier wurden unter Rücksichtnahme von Kundenwünschen und Kundenbedürfnissen Kleidungsstücke maßgeschneidert entworfen. Getrieben wurde dieses Projekt von dem Gedanken, dass viele Kleidungsstücke oder sogar ganze Kollektionen im Müll landen, da sie nicht den Ansprüchen oder dem Geschmack der KonsumentInnen entsprechen.

OS4S: Wie viele Studierende und AbsolventInnen belegen den Studienlehrgang?

Ploier: Aktuell gibt es rund 70 Bachelor- und Masterstudierende, wovon insgesamt 15 Personen den Bachelor absolviert haben. Die ersten MasterabsolventInnen wird es erst im Jahr 2021 geben.

OS4S: Welche Perspektiven, auch im Hinblick auf die Jobsuche, verschafft der Studiengang seinen AbsolventInnen?

Ploier: Der Studiengang verschafft spannende Perspektiven. Mit der speziellen Kombination aus Mode und Technologie positionieren sich AbsolventInnen des Studiengangs an einer spezifischen Schnittstelle, welche bei Modeunternehmen sehr gefragt ist. Mit dieser Expertise haben sie gute Chancen auf dem Jobmarkt. Bachelorstudierende können beispielweise im Zuge eines Praktikums wichtige Erfahrungen in einem Modeunternehmen sammeln. Mit einem fertigen Studium können sie zum Beispiel DesignerInnen werden, Start Ups gründen, in die Forschung gehen oder sich auf eine bestimmte Technologie in der Modewelt spezialisieren. Die Verbindung von Design und Technologie bietet die Möglichkeit sich individuell zu spezialisieren und seine ganz persönliche Nische zu kreieren.

OS4S: Welche Ziele verfolgen Sie in der Zukunft. Wie geht es mit dem Studiengang weiter?

Ploier: Ich denke, dass der Studiengang auf dem richtigen Weg ist. Da unser Studiengang noch sehr jung ist, versuchen wir ihn aktuell bekanntzumachen. Das funktioniert bereits sehr gut. Das zeigen etwa zahlreiche internationale Presseanfragen und unterschiedlichste Nachfragen nach unserem Angebot. Mit Vorträgen und Workshops, abgehalten von internationalen Lektoren, versuchen wir mit der ständigen Veränderung von Technologie, Umwelt und Mode mitzugehen. Mithilfe neuer Formen der Präsentation wollen wir unseren Studiengang weiter internationalisieren. Neben der internationalen Vernetzung ist uns auch der Ausbau unseres regionalen Netzwerkes sehr wichtig. Denn erst durch die Kooperationen mit Unternehmen aus der Region haben wir erst die Möglichkeit diverse Labore, Werkstätten oder Maschinen für unsere Studierenden zugänglich zu machen.

OS4S: Gibt es abschließend noch etwas, was Sie der Leserin und dem Leser mitteilen möchten?

Ploier: Die Modeindustrie trägt stark zu ökologischen und sozialen Problemen bei. Daher wäre es wünschenswert, wenn die Menschen mehr über ihren Konsum nachdenken und in weiterer Folge ihren Modekonsum ändern. Nachhaltigere Alternativen zu suchen, wäre schön.

OS4S: Vielen Dank für das Gespräch.

Ploier: Danke auch.

 

Weiterführende Informationen

  • Information zur Universität und zum Studiengang: hier
  • Aktuelle Projekte von Fashion&Technology: hier

 

Beitrag 2 der Serie „Das war der Sustainability Award 2020“.