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Science Plan für Klimaforschung: Interview mit Julia Kolar

OS4S-Interview mit Julia Kolar, der interim. Leiterin der Geschäftsstelle des Climate Change Centre Austria, über die Inhalte und Hintergründe des Science Plan zur strategischen Entwicklung der Klimaforschung in Österreich.

Im März 2017 wurde der erste Science Plan zur strategischen Entwicklung der Klimaforschung in Österreich vom Climate Change Centre Austria (CCCA) vorgelegt. Welche Inhalte sind darin zu lesen?

Kolar: Aufbauend auf den Österreichischen Sachstandsbericht Klimawandel 2014 (AAR14), welcher sozusagen den Ist-Stand zum Thema Klimawandel in Österreich beschreibt, stellt der Science Plan 2017 erstmalig Defizite und Lücken in der Klimaforschung dar. Der strategische Plan bietet also in erster Linie Antworten auf die Frage, in welchen Bereichen es verstärkt Klimaforschung in Österreich bedarf. Zusätzlich gehen die mitwirkenden Forscherinnen und Forscher auf die Schaffung von förderlichen Rahmenbedingungen in der Forschungs- und Wissenschaftslandschaft ein. Damit wird versucht, Handlungsoptionen für die relevanten Akteurinnen und Akteure aufzuzeigen.

Der Science Plan definiert Forschungsprioritäten in fünf Bereichen. Um welche handelt es sich dabei?

Kolar: Das Besondere des Science Plan ist, dass er im Rahmen eines breit angelegten Partizipationsprozesses ausgearbeitet wurde. Vertreterinnen und Vertreter aller Mitgliedsorganisationen des CCCA waren beteiligt. Das bedeutet, dass Forschungsfelder und -themen von den Forschungseinrichtungen, die im CCCA vertreten sind, Eingang gefunden haben. Wir können also sagen, dass der Science Plan direkt aus der Klimaforschungscommunity kommt und von dieser akzeptiert und vollständig getragen wird. Thematisch deckt der Science Plan die Forschungsbereiche Klimawandel, Einflussfaktoren und Ausprägungen mitsamt ihren Prozessen, der Datenbasis und Modellierung sowie den Grenzwerten und Kipppunkten ab. Zudem werden die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft, Klimawandelanpassung und -mitigation sowie der Bereich der gesellschaftlichen Transformationsprozesse im Sinne einer nachhaltigen Gesellschaft erläutert.

Wer sind die Zielgruppen, an die der Science Plan adressiert ist?

Kolar: In erster Linie richten sich die Ergebnisse an die österreichische Politik, öffentliche Verwaltung,  sowie an die Forschungsförderungseinrichtungen, beispielsweise an den Klima- und Energiefonds, an die FFG und an den FWF aber auch ganz zentral an die Wissenschafterinnen, Wissenschafter und die Forschungscommunity selbst.

Im Science Plan wird von 300 bis 400 Klimaforscherinnen und -forschern berichtet, die in Österreich tätig sind. Gibt es eine Plattform oder Anlaufstelle zur Übersicht all dieser Personen?

Kolar: Diese Zahl berücksichtigt jene Personen, die im Rahmen der Ausarbeitung des Österreichischen Sachstandsberichts Klimawandel 2014 mitgewirkt haben. Wir haben im CCCA vor einiger Zeit eine öffentlich einsehbare Kompetenzlandkarte entwickelt, in der zahlreiche Klimaforschenden mit ihren individuellen Fachgebieten und Kompetenzen sichtbar sind.

Gibt es bereits einen nachweisbaren Impact des Science Plan?

Kolar: Ja, denn bereits durch die partizipative Entwicklung des Science Plan haben zahlreiche Klimaforschende aus verschiedensten Bereichen intensiv und erfolgreich zusammengearbeitet. Das Dokument stellt damit ein Leitbild und die Koordinationsgrundlage für die österreichische Klimaforschung dar. Zudem gelingt es, den notwendigen Bedarf an verstärkter Klimaforschung in den verschiedensten Bereichen des Wissenschafts- und Forschungssystems Österreichs aufzuzeigen. So sehen einige Forschungsförderungseinrichtungen die Ergebnisse des Science Plan als konstruktiven Input und Grundlage für die Ausgestaltung künftiger Calls im Sinne nachhaltiger Entwicklung und Klimaforschung.

Können Follow-Up-Aktivitäten seit seiner Veröffentlichung im März 2017 genannt werden?

Kolar: Eine der Follow-Up-Aktivitäten kann im Frühjahr 2018 präsentiert werden. Da wird es eine englischsprachige Übersetzung des Science Plan geben. Damit können die Themen der österreichischen Forschungsgemeinschaft auch international verbessert vertreten werden. Der deutschsprachige Science Plan soll im Abstand von fünf bis sieben Jahren wiederholt veröffentlicht werden.

Danke für das Gespräch.

Kolar: Danke.

 

Zur Person:

Mag. Julia Kolar, MSc. ist interimistische Leiterin des Climate Change Centre Austria (CCCA). Sie ist für die strategische Koordination gemeinsam mit dem CCCA Vorstand zuständig. Bei der Erstellung des Science Plan zur strategischen Entwicklung der Klimaforschung in Österreich hatte sie das Projektmanagement inne.

Kontakt: julia.kolar@ccca.ac.at

Mag. Julia Kolar, MSc.

Mag. Julia Kolar, MSc.

Weiterführende Informationen

Das OS4S-Interview führte Florian Leregger, Geschäftsführer des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) für openscience4sustainability.