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Klimaschutz in der Agenda 2030

Welche Rolle spielen Klimawandelvermeidung und -anpassung in der Agenda 2030? Welche Unterziele beinhaltet SDG 13, um der Klimakrise zu begegnen? Und welche

Potentiale der Umsetzung bestehen in Österreich? Darüber spricht Franz Fehr (Vorsitzender des UniNEtZ-Rates).

SDG 13: Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen

In der Agenda 2030 werden im SDG 13 explizit Zielvorgaben für die Klimawandelvermeidung (mitigation) und die Klimawandelanpassung (adaption) adressiert. Zudem sind auch in anderen SDGs, wie etwa in SDG 1 mit der Stärkung der menschlichen Widerstandsfähigkeit gegenüber klimabedingten Extremereignissen, in SDG 7 mit dem Umstieg auf erneuerbare Energie und der Energieeffizienzsteigerung, oder in Ziel 11 mit der Förderung von kommunalen Klimaschutz und der Klimawandelanpassung in Siedlungsgebieten essentielle klimarelevante Aspekte verankert. Das SDG 13 beinhaltet fünf Unterziele (targets), die beispielsweise die Einbeziehung von Klimaschutzmaßnahmen in die nationalen Politiken, die Erfüllung der finanziellen Verpflichtung sowie die Förderung von personellen und institutionellen Kapazitäten fokussieren – in Österreich und weltweit.

Podcast-Hörsendung „Klima & Agenda 2030“

Franz Fehr ist Vorsitzender des UniNEtZ-Rates, eines der entscheidenden Gremien des hochschulübergreifenden Projektes „UniNEtZ – Universitäten und Nachhaltige Entwicklungsziele“. Er gibt in der Hörsendung #158 des IUFE-Podcasts (hier anhören) Einblicke in die Agenda 2030 und in die Unterziele des SDG 13. Nachdem er zu Beginn die Indikatoren der SDG-Fortschrittmessung beleuchtet, stellt er den heimischen UniNEtZ-Perspektivenbericht 2020 auszugsweise vor. Im Zuge dessen geht er unter anderem auf Hauptproblemfelder und Ansatzpunkte punkto Klimaschutz in Österreich ein. Er beleuchtet auch Interaktionen des SDG 13 zu anderen SDGs. Welche Potentiale in punkto Klimaschutz bestehen, erläutert Fehr anhand des wissenschaftlichen Referenzplan zum österreichischen Nationalen Energie und Klimaplan (Ref-NEKP) in sechs Handlungsbereichen.

 Potentiale der SDG-Umsetzung in Österreich

Aus den aktuellen Arbeitsergebnissen im Zuge des UniNEtZ Projektes leitet Fehr in der Podcast-Hörsendung die Potentiale für verstärkte Klimawandelvermeidung und Klimawandelanpassung in Österreich ab.

„Grundsätzlich ist zu sagen, dass es sowohl für die Umsetzungsbegleitung der SDGs in Österreich, als auch für den Pariser Klimazielweg, der im österreichischen Nationalen Energie und Klimaplan – kurz: NEKP – behandelt wird, von besonderer Bedeutung sein wird, auch eine lernfähige Governance-Struktur einzurichten, die auf einem Monitoring des Erfolgs einzelner Zielsetzungen beziehungsweise Maßnahmen aufbaut“, so Fehr.

Vier Umsetzungspfade laut Ref-NEKP

Fehr bezieht sich in seinen Ausführungen auf den wissenschaftlichen Referenzplan zum NEKP (Ref-NEKP), welcher von Wissenschafter/innen unter anderem aus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem Climate Change Centre Austria und dem UniNEtZ Projekt im Herbst 2019 veröffentlicht wurde. Dieser Ref-NEKP enthält eine Sammlung von Maßnahmen zu Treibhausgasemissionsreduktionen sowie eine Zusammenstellung von relevanter Literatur zum Thema. Es werden darin auch vier Umsetzungspfade für die Erreichung des Pariser Klimaziels formuliert:

  • Technologie- und marktfokussierte Pfad (Klimaschutz durch Technik & Regulierung)
  • Pfad über Mehr-Ebenen-System Innovation (Technische Innovation von Unten)
  • Sozial-ökologische Transformation (Klimaschutz & Fairness durch Vorschriften)
  • Up-Scaling sozialer Innovationen (Klimaschutz durch innovative Gesellschaft & Wirtschaft).

„Aufgrund der drängenden Zeit erscheint es angebracht alle dies vier Pfade zu beschreiten“, betont Fehr in der Podcast-Hörsendung.

Sechs Hauptbereiche für Klimamaßnahmen in Österreich

Im Ref-NEKP werden auf Seite 45ff sechs Hauptbereiche für entscheidende Rahmenmaßnahmen und -zielsetzungen für eine erfolgreiche Transformation zur klimaneutralen und widerstandfähigen Wirtschaft und Gesellschaft erläutert. Dazu zählen beispielsweise folgende Handlungsfelder (Auswahl):

  • Sektorübergreifende Rahmenmaßnahmen
    • Sozial-ökologische Steuerreform
    • Klimazielfördernde Digitalisierung
    • Klimaschutz orientierte (Energie-)Raumplanung
    • Wegweisende Pariser-Klimaziel-Orientierung
    • Bildung & Forschung zu Klima und Transformation
  • Energie und Industrie
    • Sektorkopplung
    • Erneuerbare Energien
    • Erhöhung der Energieeffizienz
    • Umbau zur Kreislaufwirtschaft
  • Verkehr
    • Digitalisierung und Automatisierung als Hebel nutzen
    • Dekarbonisierung und Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs
  • Gebäude
    • Emissionsarme Strukturen
    • Emissionsarme Gebäude
  • Land- und Forstwirtschaft und Bioökonomie
    • Klimafreundliche Landwirtschaft
    • Naturverträgliche Erhöhung des Kohlenstoffspeichers in der Land- und Forstwirtschaft
  • Abfallwirtschaft
    • Abfallvermeidung
    • Erhöhung stoffliches Recycling

 „Unsere Gesellschaft ist nicht nur im Umbruch, sondern glücklicher Weise auch im Umdenken (…) Im Umgang mit der COVID-19-Krise haben sowohl die österreichische Politik, als auch die österreichische Zivilgesellschaft bewiesen, wie entschlossen man auf existenzielle Herausforderungen zugehen und diese dadurch erfolgreich meistern kann. Es bleibt zu hoffen, dass diese Entschlossenheit im Umgang mit Gesundheits- und Wirtschaftskrisen ein Vorbild für die weiteren Handlungen im Umgang mit der weitaus komplexeren Krise um Klimagerechtigkeit sein wird“, sagt Fehr in der Podcast-Hörsendung abschließend.

Weiterführende Informationen

  • Österreichs integrierter nationaler Energie- und Klimaplan (NEKP) vonseiten der Österreichischen Bundesregierung: hier
  • Podcast-Hörsendung mit Franz Fehr: hier
  • Projekt “UniNEtZ – Universitäten und Nachhaltige Entwicklungsziele”: hier
  • Referenzplan als Grundlage für einen wissenschaftlich fundierten und mit den Pariser Klimazielen in Einklang stehenden Nationalen Energie- und Klimaplan für Österreich (Ref-NEKP): hier
  • UniNEtz-Perspektivenbericht 2020: hier