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Im Gespräch: UniNEtZ-Arbeitsgruppe SDG 6

Nachgefragt bei Günter Langergraber, Leiter der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 6: Welchen Mehrwert hat die Arbeitsgruppe? Welche Motivation steckt dahinter? Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe?

Gewährleistung einer nachhaltigen Wasser- und Sanitärversorgung

Die Arbeitsgruppe zum SDG 6 „Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen“ behandelt evidenzbasiert, interdisziplinär und hochschulübergreifend unterschiedliche Aspekte, um eine langfristige Wasserqualität zu sichern und eine funktionierende Sanitärversorgung zu gewährleisten. Wie die Unterziele des SDG 6 – beispielsweise der Zugang zu bezahlbarem Trinkwasser, eine langfristige Sicherung der Ver- und Entsorgungssysteme sowie der Wasserqualität und Hygiene oder die Verbesserung der Wasserqualität durch die Verringerung der Verschmutzung und Einbringens von gefährlichen Chemikalien und Abwässern – erfolgreich realisiert werden können, stehen im Fokus dieser Arbeitsgruppe. Daran beteiligt sind Vertreterinnen und Vertreter der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), Johannes-Kepler-Universität Linz und der Technischen Universität Graz.

 Nachgefragt bei Günter Langergraber

Günter Langergraber ist Leiter der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 6. Er ist seit 2019 Leiter des Departments Wasser, Atmosphäre und Umwelt an der BOKU Wien, ist als Senior Scientist in verschiedenen Forschungsprojekten tätig und leitet die COST Action Circular City (hier). Langergraber spricht über die spannende Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe und mit KollegInnen aus anderen Teams, wie auch über die zukünftigen Probleme der Wasserknappheit in Österreich.

OS4S: Welche Motivation und Notwendigkeit spornen Ihre Arbeitsgruppe an?

Langergraber: Österreich ist bekannt als wasserreiches Land, das bisher wenig Probleme mit Wasserknappheit hatte. Jedoch wurde selbst in Österreich das Wasser in den letzten Sommern knapp. Dazu gibt es Projekte an der Universität für Bodenkultur Wien, wo auf Gemeindeebene das Wasserangebot für ganz Österreich erhoben wird. Dadurch, dass das Klima trockener wird, ergeben sich aus den wachsenden Problemfeldern neue Fragestellungen. Zwar kann in Österreich das Service weiterhin aufrecht erhalten werden, jedoch wird es in Zukunft kostenintensiver, woran an neue Lösungsansätze gedacht werden soll. Dazu zählt zum Beispiel das Gießen der Pflanzen mit gereinigtem Abwasser. In Regionen mit Wasserknappheit steigt der Bedarf der Bewässerung mit gereinigtem Abwasser besonders für die Bewässerung in der Landwirtschaft. Diese Wasseraufbereitung wird auch schon immer häufiger von Großunternehmen nachgefragt.

Diese Zukunftsperspektive zieht sich durch die Arbeitsgruppe. Wir beschäftigen uns nicht nur mit dem Status Quo, sondern vor allem mit den Herausforderungen für die Zukunft.

Was ich auch so spannend an diesem Projekt finde, ist die Zusammenarbeit mit KollegInnen, mit denen man sonst nicht in so intensivem Kontakt kommen würde. Diese Tatsache macht die Arbeit für mich persönlich besonders spannend und motiviert mich auch immer wieder zur Weiterarbeit.

OS4S: Wie kann man sich die Aktivitäten und Zusammenarbeit in Ihrer Arbeitsgruppe vorstellen?

Langergraber: Was uns von anderen Arbeitsgruppen unterscheidet, ist, dass seit Anbeginn die gleichen Leute beteiligt sind. Da unsere Arbeitsgruppe aus nur zehn Personen besteht, kommt insgesamt mehr Arbeit für die Ausarbeitung des Optionenpapiers auf uns zu. Je nach aktuellem Thema rufen wir uns zusammen und brainstormen gemeinsam. Vor dem ersten COVID-19-Lockdown gab es alle sechs Wochen regelmäßige Treffen. Seit der Corona-Krise sind wir auf Online-Treffen umgestiegen, welche uns ermöglichen, uns noch öfter zu sehen und auszutauschen.

Wir befinden uns auch im Austausch mit dem Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) und der International Water Association Austria. Diesen Partnern haben wir Themen aus unserem Optionenpapier vorgestellt. Wir können uns Feedback von ihnen einholen und so sicherstellen, dass wir sämtliche Themen auch tatsächlich berücksichtigen. Des Weiteren werden beim Zusammensetzten und Beraten mit anderen SDG-Arbeitsgruppen – dem sogenannten SDG-Karussell – Optionen diskutiert. Zudem betrachten wir Berührungspunkte, wie es zum Beispiel mit der SDG-Arbeitsgruppe 15 ‚Leben an Land‘ der Fall ist. Hier tauschen wir Meinungen aus und diskutieren, sodass wir letztendlich zu wertvollen Ergebnissen kommen.

OS4S: Welchen Mehrwert schafft die Arbeit Ihrer Arbeitsgruppe? Geben Sie bitte einen Ausblick, wie es weitergehen kann.

Langergraber: Der Mehrwert durch das Arbeiten im UniNEtZ- Projekt ist das Kennenlernen vieler Leute aus anderen Fachbereichen. Durch die Meinungen und Perspektiven aus anderen Fachbereichen bekommt man auch einen anderen Blick auf gewisse Dinge. Jeder hat seine Meinung, weshalb ich deren Sicht zu bestimmten Themen besonders wertschätze. Das dient der Überprüfung, damit auch wirklich keine Themen und Aspekte vergessen werden.

Die Arbeit haben wir als Prozess und nicht als Projekt gesehen. Wir erhoffen uns eine Fortsetzung des Projektes in den nächsten Perioden. Denn wir sind alle engagiert und motiviert, wieder dabei zu sein. 

Zu den langfristigen Zielen zählen ein größeres Engagement bei der Umsetzung der SDGs in Österreich und die bessere Vernetzung von Universitäten. Die SDGs sollten verstärkt Eingang in die Lehre an Universitäten finden.  

Wir sind in Österreich in der glücklichen Lage sehr viel an dem Gut Wasser zu besitzen, weswegen viele Menschen Wasser oft nicht wertschätzen und über Wasserpreise klagen. Was ich den LeserInnen noch mitgeben möchte, ist, dass die Verfügbarkeit von Wasser nicht als selbstverständlich anzunehmen ist. 

OS4S: Danke.

Langergraber: Danke auch.

Das ist ein Beitrag der OS4S-Serie „UniNEtZ-Arbeitsgruppen im Gespräch“ im Jahr 2020 auf openscience4sustainability.at.

Weiterführende Information

  • Arbeitsgruppe SDG 6: hier
  • UniNEtZ Homepage: hier
  • UniNEtZ Memorandum of Understanding und Partnerinstitutionen: hier
  • Erster Freiwillige Nationale Bericht zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele in Österreich: hier
  • Circular City: hier
  • COST Aktion: hier