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Im Gespräch: UniNEtZ-Arbeitsgruppe SDG 5

Nachgefragt bei Brigitta Ratzer, Leiterin der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 5: Welchen Mehrwert hat die Arbeitsgruppe? Welche Motivation steckt dahinter? Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe?

Geschlechtergleichstellung und Selbstbestimmung

Die Arbeitsgruppe zum SDG 5 „Gleichstellung der Geschlechter“ behandelt evidenzbasiert, interdisziplinär und hochschulübergreifend unterschiedliche Aspekte, um die Geschlechtergleichstellung zu erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung zu befähigen. Wie die Unterziele des SDG 5 – beispielsweise die Beseitigung von Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Abschaffung von Genitalverstümmelung, Kinder- und Zwangsheirat, der Teilhabe an Chancengleichheit bei der Übernahme von Führungsrollen und der Förderung geteilter Verantwortung innerhalb des Haushalts und der Familie – erfolgreich realisiert werden können, steht im Fokus dieser Arbeitsgruppe.

 Nachgefragt bei Brigitte Ratzer

Brigitte Ratzer ist Leiterin der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zu dem SDG 5. Sie ist Leiterin der Abteilung Genderkompetenz, einer Serviceeinrichtung der Technischen Universität Wien (TU), an der sie Genderforschung betreibt. Sie versucht eine Chancengleichheit für Männer und Frauen an der TU Wien zu erreichen und führt umfangreiche Beratungstätigkeiten durch. Ratzer spricht über Geschlechter-Ungleichheiten als Antrieb ihrer Arbeitsgruppe, die Vernetzung mit Stakeholdern, den Austausch unter den Arbeitsgruppen und den Mehrwert der Arbeitsgruppe.

OS4S: Welche Motivation und Notwendigkeit spornen Ihre Arbeitsgruppe an?

Ratzer: Wissenschaftliche Nachweise zu Geschlechter-Ungleichheiten und offensichtliche Ungerechtigkeiten zu bündeln und aufzuarbeiten ist sicherlich unser grundlegender Antrieb. Wie kann es sein, dass Diskriminierung von Frauen in einem scheinbar so fortschrittlichen Land wie Österreich nach wie vor so stark ist? Oder wie kann es sein, dass der Gender Pay Gap 23% und der Gender Pension Gap sagenhafte 42% betragen? Oder wie kann es sein, dass Österreich europaweit das einzige Land ist, in dem mehr Morde an Frauen als Morde an Männern passieren? Worin äußert sich die sogenannte strukturelle Ungleichheit von Frauen und Männern – und was sind die Hebel, mit denen sich diese Systematik bewegen lässt?

OS4S: Wie kann man sich die Aktivitäten und Zusammenarbeit in Ihrer Arbeitsgruppe vorstellen?

Ratzer: Unsere Arbeitsgruppe besteht aus ExpertInnen zu Gendertheorien aber auch zu praktischer Arbeit in der Gleichstellung. Dadurch sind die Themenstellungen aus den einzelnen Genderzielen leicht analysierbar. Grundlegendes Wissen und auch praktische Erfahrungen sind bei allen Personen in der Arbeitsgruppe vorhanden. Daneben ist für uns die Vernetzung mit Stakeholdern – also etwa Ministerien, Frauensprecherinnen politischer Parteien und internationalen Organisationen – besonders wichtig. Damit wollen wir nicht nur theoretisches Wissen aufbereiten, sondern auch etwas praktisch bewegen. Der interne Austausch findet im Rahmen von Workshops statt. Damit alle Personen in der Arbeitsgruppe ihr Wissen einbringen und auch kritische Reflexionen stattfinden können.

Sehr wichtig ist für uns aber auch der Austausch mit anderen SDG-Gruppen, weil die Gender-Thematik eine Querschnittsmaterie ist. Wenn zum Beispiel bei SDG 2 ‘Kein Hunger’ eine Option zum Thema ‚Reduktion des Fleischkonsums‘ überlegt, dann ist es uns wichtig, uns hier einzubringen. Denn Fleischkonsum von Männern – national wie auch im globalen Maßstab – ist doppelt so hoch wie jener von Frauen. Das ist besonders zu berücksichtigen, wenn zum Beispiel KonsumentInnen zu einer Verhaltensänderung bewegt werden sollen. Zu wissen, wer genau die richtige Zielgruppe ist und womit man diese Gruppe ansprechen kann, ist essentiell. 

OS4S: Welchen Mehrwert schafft die Arbeit Ihrer Arbeitsgruppe? Geben Sie bitte einen Ausblick, wie es weitergehen kann.

Ratzer: Was ich als den größten Mehrwert sehe ist, dass wir im Rahmen unserer Arbeit ein Verständnis davon schaffen, wie Geschlechter-Ungleichheit mit Themen wie etwa der Klimakrise oder COVID-19-Krise zusammenhängt. Damit hängt auch unser Wunsch zusammen, wie es mit dem Projekt weitergehen soll: wir möchten unsere Erkenntnisse und Inhalte für ganz unterschiedliche Gruppen in unserer Gesellschaft übersetzen und verständlich machen. Menschen, ob alt oder jung, reich oder arm, Mann oder Frau, gebildet oder BildungsabbrecherIn müssen verstehen und spüren können, was das Thema mit ihnen persönlich zu tun hat, in welchen Lebensbereichen es sie betrifft und wo sie die Möglichkeit haben, etwas zu verändern. Diese Diskussion sollte in allen Bevölkerungsgruppen ankommen, einen Dialog mit Menschen außerhalb des Wissenschaftsbetriebes schaffen. Nicht zuletzt wird die Wirkung des Projektes davon abhängen, wie gut wir alle Menschen in Österreich erreichen können.

OS4S: Danke.

Ratzer: Danke vielmals.

Das ist ein Beitrag der OS4S-Serie „UniNEtZ-Arbeitsgruppen im Gespräch“ im Jahr 2020 auf openscience4sustainability.at.

Weiterführende Information

  • Arbeitsgruppe SDG 5: hier
  • UniNEtZ Homepage: hier
  • UniNEtZ Memorandum of Understanding und Partnerinstitutionen: hier
  • Erster Freiwillige Nationale Bericht zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele in Österreich: hier