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Im Gespräch: UniNEtZ-Arbeitsgruppe SDG 17

Nachgefragt bei Veronika Wittmann, Leiterin der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 17: Welchen Mehrwert hat die Arbeitsgruppe? Welche Motivation steckt dahinter? Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe?

Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Die Arbeitsgruppe zum SDG 17 „Partnerschaft zur Erreichung der Ziele“ behandelt evidenzbasiert, interdisziplinär und hochschulübergreifend unterschiedliche Aspekte, um Umsetzungsmittel zu stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben zu erfüllen. Wie die Unterziele des SDG 17 – beispielsweise dass entwickelte Länder ihre Zusage zur öffentlichen Entwicklungshilfe einhalten, den Austausch von Wissenschaft, Technologie und Innovation verstärken, abzustimmen und sich auszutauschen, den politischen Spielraum von Politiken zur Armutsbeseitigung und nachhaltigen Entwicklung respektieren oder die Globale Partnerschaft für das Erreichen einer nachhaltigen Entwicklung in allen Ländern zu erreichen – erfolgreich realisiert werden können, steht im Fokus dieser Arbeitsgruppe. Daran beteiligt sind Vertreterinnen und Vertreter der Johannes-Kepler-Universität Linz.

Nachgefragt bei Veronika Wittmann

Veronika Wittmann ist Kontaktperson der Arbeitsgruppe zum SDG 17 im Projekt UniNEtZ. Sie ist assoziierte Universitätsprofessorin für Global Studies an der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Wittmann repräsentiert auch das Africa-UniNet. Sie forscht an Aspekten der Globalisierung, Nachhaltige Entwicklung sowie Gender and Development Studies mit dem regionalen Schwerpunkt Subsahara-Afrika. Sie beschreibt ihre Motivation zum SDG 17, weltweiten Aktivitäten zum SDG und ihren Wunsch an die Zukunft.

OS4S: Welche Motivation und Notwendigkeit spornen Sie an?

Wittmann: Die SDGs sind eine globale Agenda und wurden von allen UN-Mitgliedstaaten gemeinsam beschlossen. Eine nachhaltige Entwicklung ist im 21. Jahrhundert nur durch weltweite Zusammenarbeit zu erreichen. Die Expertise zum SDG 17 umfasst die Themenbereiche von globalen Partnerschaften, weltweite politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Basis ist die grundlegende Auffassung, dass Nachhaltigkeit internationale und transnationale Zusammenarbeit braucht.

Globale Risiken erzeugen globale Menschheitserfahrungen. Weltweite Risiken sind eine globale Menschheitserfahrung, beispielsweise die gegenwärtige Pandemie als globale Krise, wovon Gruppen, Weltregionen und die gesamte Menschheit gleichzeitig davon betroffen ist. An COVID-19 erkrankte der britische Prime Minister genauso wie die Slumbewohnerin von Mumbai. Ein Virus wie SARS-CoV-2, radioaktiven Strahlen einer atomaren Katastrophe, die Klimaerwärmung oder der Verlust der Biodiversität kümmert sich nicht um Staatsgrenzen. 

Die gegenwärtige Pandemie hat offenbart, dass Staaten, Unternehmen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Menschen weltweit miteinander verbunden sind. Es zeigt auch, wie schwach bisher globale Institutionen und Regime ausgebaut sind und wie unterschiedlich Staaten auf die globale Krise reagiert haben. Auf dem Weg der globalen Kooperationen kann der Menschheit sehr wichtige Tools in die Hand gegeben werden, um zukünftigen Pandemien und weltweiten Krisen, mit denen die Menschen im 21. Jahrhundert noch konfrontiert sein wird, auf konstruktive Weise zu begegnen.

Die Menschheit braucht einen globalen Plan wie ihn die Agenda 2030 mit den SDGs in Grundzügen vorgelegt hat. Sowohl die Pandemie als auch die daraus resultierende soziale und ökonomische Krise sind globale Probleme. Diese können nur durch globale Kooperationen effektiv gelöst werden.

Das SDG 17 beinhaltet Zielsetzungen, die als Seismograf angesehen werden können, inwieweit Staaten zu multilateralem Handeln bereit sind.

Alle diese genannten Punkte sind für mich Motivation und Notwendigkeit mich für das SDG 17 zu engagieren.

OS4S: Wie kann man sich die Aktivitäten und Arbeit von Ihnen vorstellen?

Wittmann: Zurzeit bin ich die einzige Wissenschaftlerin der bei der UniNEtZ beteiligten Universitäten, die sich für das SDG 17 ‘Globale Partnerschaften’ gemeldet hat. Ich habe daher versucht, die Außenwirkung des SDG 17 zu erhöhen: durch Vorträge, Treffen mit Stakeholdern, Medienarbeit und auch innerhalb von UniNEtZ.

Im April letzten Jahres hielt ich einen Vortrag in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zum SDG 17, im Jänner und Oktober 2019 und im Jänner 2020 hielt ich einen Vortrag im Zuge einer Ringvorlesung zu den SDGs an der Fachhochschule für Sozialarbeit in Oberösterreich. Im Juli 2019 gab es einen Vortrag zu den SDGs in Ägypten. Den letzten Vortrag hielt ich Anfang Februar dieses Jahrs in Spanien an der Universität in Santiago de Compostela ab. Des Weiteren habe ich Treffen mit Stakeholdern wie die Universidade de Santiago de Compostela, der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung und dem Institut für die Wissenschaften von Menschen zu dem SDG 17 organisiert.

Es wurde auch eine Veranstaltungsreihe zum SDG 17 unter dem Namen ‘SDG 17: Globale Kooperationen in Zeiten des Nationalismus’ von UniNEtZ in Kooperation mit der Johannes Kepler Universität und der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung konzipiert, bei der Prof. Dirk Messner, Univ-Prof.in Dr.in Angeles López Agüera und Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäcker als GastrednerInnen auftraten und auftreten werden. Auch Medienarbeit mit besonderem Bezug zu SDG 17 wurde gemacht. Zum Beispiel gibt es von der Universität für Bodenkultur Wien eine ganze Serie zur ‘Welche Zukunft wollen wir?’ (hier), Interviews für UNESCO-Filmdokumentationen oder Fernsehinterviews.

Innerhalb von UniNEtZ wurden drei SDG Karussell-Sessions unter dem Lead der AG zum SDG 17 angeboten mit den Themenschwerpunkten ‘Globale Krise COVID-19 – globale Nachhaltigkeit’, ‘Nord-Süd-Kooperationen im Bereich Wissenschaft’ und ‘Globale Komponente der anderen SDGs’.

OS4S: Welchen Mehrwert schafft Ihre Arbeit? Geben Sie bitte einen Ausblick, wie es weitergehen kann.

Wittmann: Es wäre wünschenswert, wenn es in Österreich mehr Forschungen zu globalen Fragestellungen geben könnte und damit auch mehr WissenschaftlerInnen die sich für weltweite Themen interessieren. Interessant wäre für die Zukunft des SDG 17 eine Kooperation mit der Diplomatischen Akademie in Wien. 

OS4S: Danke.

Wittmann: Ich bedanke mich.

Das ist ein Beitrag der OS4S-Serie „UniNEtZ-Arbeitsgruppen im Gespräch“ im Jahr 2020 auf openscience4sustainability.at.

Weiterführende Information

  • Arbeitsgruppe SDG 17: hier
  • UniNEtZ Homepage: hier
  • UniNEtZ Memorandum of Understanding und Partnerinstitutionen: hier
  • Erster Freiwillige Nationale Bericht zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele in Österreich: hier
  • Afrika UniNet: hier