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Im Gespräch: UniNEtZ-Arbeitsgruppe SDG 16

Nachgefragt bei Wilhelm Guggenberger, Leiter der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 16: Welchen Mehrwert hat die Arbeitsgruppe? Welche Motivation steckt dahinter? Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe?

Friede auf Erden

Die Arbeitsgruppe zum SDG 16 „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“ behandelt evidenzbasiert, interdisziplinär und hochschulübergreifend unterschiedliche Aspekte, um friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern sowie allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschafts-pflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufzubauen. Wie die Unterziele des SDG 16 –  beispielsweise Gewalt, Folter, Missbrauch, Ausbeutung und Kinderhandel verringern, einen gleichberechtigten Zugang zur Justiz und öffentlichen Zugang zu Information gewährleisten und Schutz der Grundfreiheit, Korruption und Bestechung reduzieren oder nichtdiskriminierende Rechtsvorschriften und Politiken zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung fördern und durchsetzen – erfolgreich realisiert werden können, steht im Fokus dieser Arbeitsgruppe.

Nachgefragt bei Wilhelm Guggenberger

Wilhelm Guggenberger ist Leiter der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zu dem SDG 16. Er unterrichtet Christliche Gesellschaftslehre und Sozialethik. Zu seinen Schwerpunkten zählen Umwelt-, Friedens- und Wirtschaftsethik am Institut für Systemische Theologie der Katholisch Theologischen Fakultät an der Universität Innsbruck. Guggenberger spricht von einer Stärkung des gesamtgesellschaftlichen Friedens, er erzählt von dem breiten Themenfeld der Arbeitsgruppe und der Bereicherung der dadurch entstandenen Interdisziplinarität.

OS4S: Welche Motivation und Notwendigkeit spornen Ihre Arbeitsgruppe an?

Guggenberger: Die Motive sind im Detail sicherlich so unterschiedlich wie der akademische Hintergrund der beteiligten Personen. Er reicht von Rechtswissenschaft über Erziehungswissenschaft, Organisationsentwicklung oder Wirtschaftsgeschichte über Philosophie bis hin zu Theologie. Was uns alle eint ist das Bewusstsein, dass gewaltfreie und integrative Konfliktlösungsprozesse essenziell für die Entwicklung von Gesellschaften sind, die all die anderen SDGs verfolgen möchten.

Friede und Gerechtigkeit sind zugleich Möglichkeitsbedingungen und Früchte nachhaltiger Entwicklung. Um Friede und Gerechtigkeit zu stärken und weiter zu entwickeln, bedarf es funktionierender, transparenter, von den Bürgerinnen akzeptierter und auch kritisierbarer Institutionen. Wir sind uns in unserer Arbeitsgruppe sehr wohl der guten Ausgangssituation bewusst, die im Hinblick auf das SDG 16 in Österreich herrscht. Dennoch möchten wir uns damit nicht zufriedengeben.

Gerade im Hinblick auf eine Stärkung des gesamtgesellschaftlichen Friedens und im Hinblick auf die Kultivierung von Gewaltfreiheit in allen Lebensbereichen gibt es auch in unserem Land Entwicklungspotential und Entwicklungsnotwendigkeit. Dazu einen kleinen Beitrag leisten zu können, motiviert uns.

OS4S: Wie kann man sich die Aktivitäten und Zusammenarbeit in Ihrer Arbeitsgruppe vorstellen?

Guggenberger: Die Zusammenarbeit ist nicht ganz einfach, da die Targets, die von SDG 16 umfasst werden, ein ausgesprochen breites Feld eröffnen und auch sehr disparat sind. Unsere Arbeitsgruppe, in der WissenschafterInnen der Johannes-Kepler-Universität Linz, der Universität Klagenfurt, der Universität für Angewandte Kunst in Wien, auch der Universität Wien und der Universität Innsbruck kooperieren, ist für die Fülle der Themen, die zu beackern sind, ziemlich klein. Trotz der Breite des Spektrums der Disziplinen, die vertreten sind, fehlen uns doch auch Expertisen, die wir eigentlich bräuchten. Aufgrund der dadurch notwendigen Arbeitsteilung ist die Zusammenarbeit daher wohl etwas weniger intensiv verflochten als bei einigen anderen Arbeitsgruppen. Bislang hat UniNEtZ im Wesentlichen an der Erstellung eines Optionenberichts für die Bundesregierung gearbeitet. Die Texte, die wir dafür erarbeitet haben, wurden von einzelnen Gruppenmitgliedern oder sehr kleinen Gruppen verfasst. Anschließend sind diese im intensiven Austausch durch wechselseitige Stellungnahmen bereichert und finalisiert worden.

OS4S: Welchen Mehrwert schafft die Arbeit Ihrer Arbeitsgruppe? Geben Sie bitte einen Ausblick, wie es weitergehen kann.

Guggenberger: Der Mehrwert besteht in der interdisziplinären Vielfalt, die ja noch deutlicher im gesamten UniNEtZ-Verbund spürbar ist. Interdisziplinarität ist keineswegs immer einfach, aber jedenfalls bereichernd. Das Projekt in seiner Breite motiviert dazu, die Nachhaltigkeitsdynamik im eigenen Bereich selbstbewusster und vehementer in Forschung und Lehre einzubringen. Wie es nach dem Abschluss des Optionenberichtes weitergehen wird ist noch ziemlich offen. Ich denke, dass sich Arbeitsgruppen auch neu strukturieren werden. Womöglich werden sich auch neue Kooperationen und Vernetzungen bilden. Diese könnten sich dann vielleicht weniger auf die SDGs fokussieren, als an Themenfeldern entlang, die sich im Laufe der Arbeit als übergreifend wichtig herauskristallisiert haben. Ich denke die Lösung von der strikten Logik der Goals und Targets wird dann möglich und auch sinnvoll sein.

OS4S: Danke.

Guggenberger: Ich danke auch.

Das ist ein Beitrag der OS4S-Serie „UniNEtZ-Arbeitsgruppen im Gespräch“ im Jahr 2020 auf openscience4sustainability.at.

Weiterführende Information

  • Arbeitsgruppe SDG 16: hier
  • UniNEtZ Homepage: hier
  • UniNEtZ Memorandum of Understanding und Partnerinstitutionen: hier
  • Erster Freiwillige Nationale Bericht zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele in Österreich: hier