Back to list

Im Gespräch: UniNEtZ-Arbeitsgruppe SDG 15

Nachgefragt bei Georg Gratzer, Leiter der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 15: Welchen Mehrwert hat die Arbeitsgruppe? Welche Motivation steckt dahinter? Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe?

Das Leben an Land nachhaltig sichern

Die Arbeitsgruppe zum SDG 15 „Leben an Land“ behandelt evidenzbasiert, interdisziplinär und hochschulübergreifend unterschiedliche Aspekte, um Landökosysteme zu schützen und wiederherzustellen, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften, Wüstenbildung zu bekämpfen, Bodendegradation zu beenden und die biologische Vielfalt zu erhalten. Wie die Unterziele des SDG 15 – beispielsweise die Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung der Landökosysteme, Bekämpfung von Wüstenbildung, Sanierung geschädigter Böden, Stoppen der Verschlechterung der natürlichen Lebensräume und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen, weltweite Unterstützung von Maßnahmen für Walderhaltung, Wiederaufforstung und Unterstützung gegen Wilderei und Handel mit geschützten und vom Aussterben bedrohter Arten und Nutzung finanzieller Mittel für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme – erfolgreich realisiert werden können, steht im Fokus dieser Arbeitsgruppe. An der Arbeitsgruppe sind Vertreterinnen und Vertreter der Donau-Universität-Krems, Universität für Bodenkultur Wien, Johannes -Kepler-Universität Linz und der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck beteiligt.

Nachgefragt bei Georg Gratzer

Georg Gratzer ist Leiter der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 15. Er ist Waldökologe und Professor am Department für Waldökologie an der BOKU Wien. Einerseits befasst sich Gratzer mit dem Forschungsschwerpunkt Ökosystemdynamik. Andererseits befasst er sich mit der nachhaltigen Nutzung von Waldressourcen zur Verbesserung der Lebensumstände von Menschen in Entwicklungsländern. Hier liegt sein Fokus auf Bergregionen. Dabei geht es um partizipative Zugänge. Gratzer spricht im Interview über die Biodiversitätskrise, die neuartig gedachte Zusammenarbeit unterschiedlicher ExpertInnen und den daraus resultierenden Mehrwert der Aneignung neuer Sichtweisen und Horizonterweiterung.

OS4S: Welche Motivation und Notwendigkeit spornen Ihre Arbeitsgruppe an?

Gratzer: Eine der Hauptmotivationen ergibt sich aus den Herausforderungen, die sich aus der inzwischen dramatischen Biodiversitätskrise ableiten. Diese lehnen sich stark an das SDG 15 an. Das Bestreben, Beiträge zum Bodenschutz zu leisten, beispielsweise Bodenerosion zu vermindern, ist ein weiteres Anliegen, das Mitglieder der Arbeitsgruppe zur Mitarbeit motiviert. Insgesamt ist es uns ein Anliegen, die Nachhaltigkeit der Landnutzung zu gewährleisten und zur Erreichung von SDG 15 sowie der gesamten Agenda 2030 beizutragen.

OS4S: Wie kann man sich die Aktivitäten und Zusammenarbeit in Ihrer Arbeitsgruppe vorstellen?

Gratzer: Die Zusammenarbeit enthält verschiedene Formate. Im klassischen Format treffen wir uns und diskutieren über Themen zum SDG 15, um Probleme zu isolieren und ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Ein weiteres Format sind die Überlegungen zur Bewältigung der Biodiversitätskrise. Zu diesem Thema braucht es wohl neue Ideen und neue Lösungen. Um solche neuen Ideen zu kreieren, erproben wir neue Formate in Zusammenhang mit der ‚künstlerischen Intervention‘. In Zusammenarbeit mit der Universität für Angewandte Kunst Wien wurden zum SDG 15 thematisch passende Ausstellungen, wie zum Beispiel die Ausstellung ´Ums gute Leben´ in der Kunsthalle Wien, besucht und besprochen. Wir wurden mit Videos konfrontiert, reflektierten diese und kamen so automatisch zu Inhalten.

Dieses Format der künstlerischen Intervention wendeten wir an, um den Denkrahmen zu erweitern und so auch ‚out of the box‘ zu denken. Diese dadurch geschaffenen neuen Denkweisen ließen wir in das Optionenpapier einfließen. Dazu haben sich Leute aus verschiedenen Bereichen einzelne Maßnahmen überlegt, um die Targets des SDG 15 zu erreichen. Diese Zusammenarbeit ist ein Ergebnis des hohen Potentials des UniNEtZ für Interdisziplinarität. Es ging dabei auch darum, Kunst nicht als Behübschung zu begreifen, sondern als Inspiration für neue Ideen. Dieser neue Zugang wurde auch bei WaldbewirtschafterInnen offen angenommen.

OS4S: Welchen Mehrwert schafft die Arbeit Ihrer Arbeitsgruppe? Geben Sie bitte einen Ausblick, wie es weitergehen kann.

Gratzer: Wir haben durch die enge Zusammenarbeit im Projekt UniNEtZ eine sehr interdisziplinäre Arbeitsweise und andere Herangehensweisen an Probleme erlebt. Wir konnten einen besseren Einblick in die einzelnen Herangehensweisen der unterschiedlichen ‚minds at work‘ bekommen, also darüber, wie Informationen von TechnikerInnen, NaturwissenschafterInnen, KünstlerInnen oder GeisteswissenschafterInnen bei gleicher Aufgabenstellung ganz unterschiedlich verarbeitet werden.

Ein neuer Mehrwert stellt für mich die Vernetzung mit der Uni für Angewandte Kunst dar. Dadurch entstanden neue Sichtweisen und diese trugen zur Erweiterung des eigenen Horizonts bei. Natürlich war die Vernetzung mit viel Arbeit verbunden, birgt aber viel Potential, Neues entstehen zu lassen.

Das Projekt läuft noch und wir arbeiten weiter an den Optionen. Es liegen noch einige Arbeitsschritte vor uns, wie zum Beispiel die Einbindung von Stakeholdern, eine Rückmeldung von ihnen hinsichtlich ihrer Gedanken zu unserer Arbeit und den ausgearbeiteten Optionen zu bekommen.

OS4S: Danke.

Gratzer: Danke sehr.

Das ist ein Beitrag der OS4S-Serie „UniNEtZ-Arbeitsgruppen im Gespräch“ im Jahr 2020 auf openscience4sustainability.at.

Weiterführende Information

  • Arbeitsgruppe SDG 15: hier
  • UniNEtZ Homepage: hier
  • UniNEtZ Memorandum of Understanding und Partnerinstitutionen: hier
  • Erster Freiwillige Nationale Bericht zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele in Österreich: hier