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Im Gespräch: UniNEtZ-Arbeitsgruppe SDG 10

Nachgefragt bei Kyoko Shinozaki, Leiterin der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 10: Welchen Mehrwert hat die Arbeitsgruppe? Welche Motivation steckt dahinter? Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe?

Gleiche Chancen in und zwischen den Ländern

Die Arbeitsgruppe zum SDG 10 „Reduzierte Ungleichheiten“ behandelt evidenzbasiert, interdisziplinär und hochschulübergreifend unterschiedliche Aspekte, um Ungleichheiten in und zwischen den Ländern zu verringern. Wie die Unterziele des SDG 10 – beispielsweise die Reduktion von Einkommensungleichheit zwischen Geschlechtern, sozial und ethnischen Gruppen, der Integration von MigrantInnen und Schutzsuchenden in Arbeitsmarkt und Gesellschaft durch eine gut gesteuerte Migrationspolitik, der Gewährleistung einer Selbstbestimmung und Chancengleichheit und Abschaffung diskriminierender Gesetze oder die Förderung von öffentlicher Entwicklungshilfe und Direktinvestition an notdürftige Staaten und Länder  – erfolgreich realisiert werden können, steht im Fokus dieser Arbeitsgruppe.

 Nachgefragt bei Kyoko Shinozaki

Kyoko Shinozaki ist Leiterin der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 10. Sie beschreibt die miteinander eng verstrickten Probleme und Zukunftsvisionen der einzelnen SDGs, die Relevant von öffentlichem Engagement und der engen Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen.

OS4S: Welche Motivation und Notwendigkeit spornen Ihre Arbeitsgruppe an?

Shinozaki: Ganz nach dem Motto ‘Beyond Container Thinking’ liegt uns viel daran, zwei bisher oft disziplinär getrennt behandelte Themen, die Nachhaltigkeit und die soziale Ungleichheit, auf innovative Art und Weise ins Gespräch zu bringen. Einerseits ist das Thema Nachhaltigkeit hauptsächlich in Naturwissenschaften im engeren Sinne vorangetrieben worden. Wobei die Frage nach den gesellschaftlichen Konsequenzen in diesem wissenschaftlichen Strang eine eher marginale Rolle gespielt hat. Andererseits ist soziale Ungleichheit eines der zentralen Themen in den Gesellschaftswissenschaften und insbesondere in der Soziologie.

Zwar hat das Thema Nachhaltigkeit auch in der Soziologie längst Eingang gefunden, jedoch haben diese Diskussionen bis jetzt im Wesentlichen innerhalb der Sozialwissenschaften stattgefunden. Das zeigt sich zumindest so im deutschsprachigen Raum.

Vor diesem Hintergrund habe ich in die UniNEtZ-Aktivitäten unsere inter- beziehungsweise transdisziplinäre Zusammenarbeit äußerst fruchtbar und erfrischend empfunden. Dieses Thema kann auch nur durch transdisziplinäre Zugänge sinnvoll untersucht und diskutiert werden.

Gleich wichtig ist für uns das öffentliche Engagement, auch ‘Public Engagement’ genannt. Hier stellen wir uns die Fragen, was wir mit unseren Ergebnissen machen und wie wir unser Wissen sinnvoll als Grundlage für eine breitere, konstruktive und durchaus kontroverse Diskussion mit außeruniversitären AktreurInnen nutzen können. Das motiviert uns, unsere Aktivitäten voranzutreiben.

OS4S: Wie kann man sich die Aktivitäten und Zusammenarbeit in Ihrer Arbeitsgruppe vorstellen?

Shinozaki: Katharina Kreissl ist Koordinatorin der UniNEtZ-Arbeitsgruppe. Sie und ich arbeiten eng im Kernteam zusammen. Katharina ist die treibende Kraft, da sie die Themenfelder für die Optionen systematisiert und recherchiert, ExpertInnen-Interviews durchführt und Workshops organisiert. Während sie sich thematisch unter anderem mit der Frage nach ökologisch und gesellschaftlich gerechter Steuerreform beschäftigt, konzentriere ich mich vor allem auf migrationsrelevante Ungleichheiten.

Außerdem haben wir Karin Fischer und Roland Atzmüller, beide von der Johannes-Kepler-Universität in Linz, gewinnen können. Sie bearbeiten den Bereich ‚Internationale Zusammenarbeit‘ aus globaler Perspektive sowie Aspekte der Finanz- und Sozialpolitik. Die KollegInnen wirken bei der Erstellung der Optionen mit.

Gleichzeitig geht unsere Zusammenarbeit weit über die ‚offizielle‘ SDG 10 Arbeitsgruppe hinaus. Wir alle kennen das Motto leave no one behind. In der Tat ist die Frage sozialer Ungleichheit, das Thema, welches für alle weiteren 16 SDGs relevant ist. Hier haben wir ein sogenanntes ‘cross-cutting issue’.

Wir engagieren uns auch in der AG Dialog. Dabei haben wir das Ziel, Wissenstransfer durch öffentliches Engagement und Kunst zu ermöglichen. Zudem nehmen wir auch an der AG Methoden teil, um den Optionenbericht mitzugestalten. Katharina ist außerdem sehr aktiv im UniNEtZ-Veranstaltungsformat ‚SDG-Karussell‘. Hier werden die Optionen zwischen den verschiedenen SDGs thematisch diskutiert und sortiert. Wir arbeiten auch eng mit unseren KollegInnen Andreas Koch und Meike Bukowski von der AG zum SDG 1 ‘No Poverty’ zusammen. Diese sind ebenfalls an der Uni Salzburg angesiedelt.

Bei all diesen Aktivitäten haben wir sowohl Herausforderungen, als auch ‘Augen-öffnende Momente’ erlebt. Herausforderungen beispielsweise, die auf unterschiedliches Verständnis über Methoden und Begrifflichkeiten zurückgeführt werden. Diese angesprochenen Momente erleben wir aber etwa auch, wenn wir feststellen, wie eng die Problemlage sowie die Zukunftsvisionen zwischen den 17 SDGs miteinander verzahnt sind. Oder besser gesagt: miteinander verzahnt sein müssen. Diese Erkenntnis ist wichtig, da wir beim Optionenbericht diverse Zukunftsvisionen entwickeln wollen. Diese sollen sich mit dem oft unhinterfragten Korsett des gegenwärtigen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Systems kritisch auseinandersetzen.

Trotz massiver Einschränkungen in der Corona-Zeit sind wir mit der Arbeit sowohl im AG-Team zum SDG 10, als auch im gesamten Projekt UniNEtZ recht gut weitgekommen. Ein intensiver persönlicher Austausch in den ersten eineinhalb Jahren hat sicherlich dabei geholfen.

OS4S: Welchen Mehrwert schafft die Arbeit Ihrer Arbeitsgruppe? Geben Sie bitte einen Ausblick, wie es weitergehen kann.

Shinozaki: Das finde ich eine sehr schöne Frage. Durch unsere UniNEtZ-Arbeit haben wir in unserer Abteilung Soziologie an der Universität Salzburg einen weiteren neuen Schwerpunkt ‚Nachhaltigkeit‘ anregen können. Gemeinsam mit der NGO Südwind haben wir 2019 die hochschulpolitische Entwicklungswoche ‘Reduce Inequalities’ veranstaltet. Im aktuellen Wintersemester 2020/21 gibt es eine Ringvorlesung mit dem Titel ‚Ungleichheiten reduzieren – Sustainable Development Goal 10 im Fokus‘ sowie ‚Environment and Inequality in Academic and Policy Debates: Sociology of Sustainability I‘ mit Forschungselementen.

Bei diesen Veranstaltungen versuchen wir, interdisziplinäre und kritische Zugänge zum Thema Nachhaltigkeit durch die Einladung jener ExpertInnen Gehör zu verschaffen, die wir unter anderem aus den interdisziplinären Arbeitszusammenhängen des UniNEtZ kennengelernt haben. Wir haben den Eindruck, dass Studierende die Vorträge unserer KollegInnen als recht inspirierend und erfrischend empfinden.

Diese Synergien haben sich zudem bei der Erarbeitung der Stellungnahme des UniNEtZ zum SDG-Indikatorenbericht der Statistik Austria aus dem Jahr 2020 niedergeschlagen. Zudem zeigten sich Synergien in unserer Mitwirkung am Austrian Panel on Climate Change Assessment Report ‚APCC SR 21‘ sehr positiv.

Das Akquirieren eines transdisziplinären Forschungsprojekts zur Nachhaltigkeit würde unserer bisherigen sehr spannenden Zusammenarbeit mit Sicherheit noch weiteren Mehrwert verleihen.

OS4S: Danke.

Shinozaki: Ich danke auch.

(li) AG-Kontaktperson: Katharina Kreissl; (re) AG-Leiterin: Kyoko Shinozaki

 

 

Das ist ein Beitrag der OS4S-Serie „UniNEtZ-Arbeitsgruppen im Gespräch“ im Jahr 2020 auf openscience4sustainability.at.

 

 

 

 

Weiterführende Information

  • Arbeitsgruppe SDG 10: hier
  • UniNEtZ Homepage: hier
  • UniNEtZ Memorandum of Understanding und Partnerinstitutionen: hier
  • Erster Freiwillige Nationale Bericht zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele in Österreich: hier