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Im Gespräch: UniNEtZ-Arbeitsgruppe SDG 1

Nachgefragt bei Andreas Koch, Leiter der UniNEtZ-Arbeitsgruppe zum SDG 1: Welchen Mehrwert hat die Arbeitsgruppe? Welche Motivation steckt dahinter? Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe?

Armut in all ihren Formen und überall beenden

Die Arbeitsgruppe zum SDG 1 „Keine Armut“ behandelt evidenzbasiert, interdisziplinär und hochschulübergreifend unterschiedliche Aspekte, um Armut in all ihren Formen zu beenden. Wie die Unterziele des SDG 1 – beispielsweise die Reduktion des Anteils an armen Personen um die Hälfte, gleiche Rechte zu wirtschaftlichen Ressourcen oder die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit in Krisensituationen – erfolgreich realisiert werden können, stehen im Fokus dieser Arbeitsgruppe. Daran beteiligt sind Vertreterinnen und Vertreter der Donau-Universität-Krems, Universität für angewandte Kunst Wien, Universität für Bodenkultur Wien und der Universität Salzburg.

 Nachgefragt bei Andreas Koch

Andreas Koch ist Leiter und Koordinator der UniNEtZ-Arbeitsgruppe SDG 1. Er ist Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeographie and der Universität Salzburg. Zudem ist er Co-Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung an der Universität Salzburg. Seine Forschungsinteressen umfassen unter anderem Sozialgeographie der Armut und soziale Ungleichheit im urbanen Raum, sozialräumliche Herausforderungen peripherer Regionen und die Simulation sozialgeographischer Prozesse. Koch spricht über die Herausforderungen der Armut, die Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen und Organisationen und den Nutzen der Synergien seiner Arbeitsgruppe.

OS4S: Welche Motivation und Notwendigkeit spornen Ihre Arbeitsgruppe an?

Koch: Armut zu bekämpfen und sie präventiv zu vermeiden, gehören zu den elementaren Herausforderungen, die eine Gesellschaft zu bewältigen hat. Menschen, die in Armut leben müssen, mangelt es an grundlegenden materiellen Ressourcen, um ihren Lebensalltag würdig bestreiten und gestalten zu können. Ausreichenden und leistbaren Wohnraum zu haben, sich gesund ernähren und angemessen kleiden und medizinische Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können, mobil zu sein und sich kulturelle sowie sportliche Aktivitäten leisten zu können, gilt es in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen.

Es mangelt ihnen aber auch an Zugangs- und Teilhabechancen, an sozialem Austausch und an Anerkennung und Wertschätzung für ihr Sein und Tun in unterschiedlichen Gemeinschaften. Hinzu kommt eine Tendenz von nicht von Armut betroffenen Menschen, Armut aus ihrem Alltag auszublenden oder Armut sozusagen unsichtbar zu machen.

Sich diesen Herausforderungen zu stellen, ist unser Ansporn in der Arbeitsgruppe. Armut als gesellschaftliches Problem und nicht als individuelles Verschulden zu sehen, motiviert uns, Gedanken zu möglichen Lösungen zu entwickeln. Armut als gesellschaftliche Tatsache und zu lösende Aufgabe gehört sichtbar gemacht, ohne dabei armutsbetroffene Menschen medial zur Schau zu stellen.

OS4S: Wie kann man sich die Aktivitäten und Zusammenarbeit in Ihrer Arbeitsgruppe vorstellen?

Koch: Die Zusammenarbeit erfolgt nach dem Zwiebelmodell. Besonders eng arbeiten Meike Bukowski (Leiterin der Arbeitsgruppe SDG 1) und ich zusammen. Eine weitere enge und kontinuierliche Zusammenarbeit gibt es mit der Arbeitsgruppe zum SDG 10. Sie wird ebenfalls an der Universität Salzburg federführend koordiniert. Wir arbeiten eng mit forum n, einer Vereinigung von Studierenden zusammen. Deren Ziel ist eine Bewusstseinsförderung der Nachhaltigen Entwicklungsziele in der Lehre und im studentischen Leben. Zudem sind Meike Bukowski und ich Mitglied in den beiden Arbeitsgruppen Methoden und Dialog. Die leisten SDG-übergreifende Arbeit zur methodischen Umsetzung der SDG-Ziele. Sie beschäftigen sich auch mit Fragen einer erfolgreichen Kommunikation innerhalb und außerhalb unseres österreichweiten universitären Netzwerks UniNEtZ.

Zu unseren bisherigen Aktivitäten gehörte die Organisation und Durchführung einer Ringvorlesung zu den SDGs an der Universität Salzburg. Dabei waren VertreterInnen diverser Universitäten aus dem UniNEtZ involviert. Dazu zählen unter anderem Innsbruck, Linz, Graz, Salzburg, Wien sowie die Salomon Hochschule Berlin. Zudem waren auch Südwind, Gesellschaft für Kommunikation/Entwicklung/dialogische Bildung (KommEnt), Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen, das Afro-Asiatisches Institut Salzburg, Österreichische Hochschülerinnen und Hochschülerschaft der Universität Salzburg und SDG Watch Austria. Zudem binden wir SDG-relevante Themen in unsere Lehrveranstaltungen der Wirtschafts- und Sozialgeographie ein. Wir präsentieren darüber hinaus unsere Überlegungen, die wir im Rahmen der Erstellung von Optionen zur Umsetzung der SDGs anstellen, auf nationalen und internationalen Konferenzen.

Ferner arbeiten wir gerade an einer Publikation zu den SDGs, die im Rahmen der genannten Ringvorlesung und der Publikationsreihe zu den „Entwicklungspolitischen Hochschulwochen“ (hier) zustande kommt.  An diesem Prozess beteiligen sich alle Beteiligten und, zu unserer großen Freude, auch weitere wissenschaftliche UniNEtZ-VertreterInnen aus ganz Österreich.

Insgesamt ist es eine sehr ergiebige und kollegiale Zusammenarbeit, die trotz der Ernsthaftigkeit des Themas viel Freude bereitet.

OS4S: Welchen Mehrwert schafft die Arbeit Ihrer Arbeitsgruppe? Geben Sie bitte einen Ausblick, wie es weitergehen kann.

Koch: Wir sehen den Mehrwert unserer Arbeit in der Bearbeitung von Themen, die eine Mehrzahl von Unterzielen unseres SDGs betreffen. Dazu gehören unter anderem ‚leistbarer Wohnraum‘ oder eine ‚solidarische Bürgerversicherung‘ sowie den ‚Erhalt, Ausbau und Zugang zu sozialer Infrastruktur‘. Dies hilft uns, Synergien in unserer Arbeitsgruppe zu nutzen, aber auch, damit an andere Arbeitsgruppen im UniNEtZ anschlussfähig zu sein. Nicht zuletzt handelt es sich um Themen, die hochgradig armutsrelevant und für die breite Bevölkerung ein großes Anliegen sind, gerade mit Blick auf die derzeitige Situation. Mit unserer Arbeit hoffen wir, möglichst viele Menschen für die Existenz- und Teilhabesorgen von armutsbetroffenen Menschen zu sensibilisieren.

OS4S: Danke.

Koch: Ich danke.

Das ist ein Beitrag der OS4S-Serie „UniNEtZ-Arbeitsgruppen im Gespräch“ im Jahr 2020 auf openscience4sustainability.at.

Weiterführende Information

  • Arbeitsgruppe SDG 1: hier
  • UniNEtZ Homepage: hier
  • UniNEtZ Memorandum of Understanding und Partnerinstitutionen: hier
  • Erster Freiwillige Nationale Bericht zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele in Österreich: hier