Back to list

Eine Reise um die Welt als SDG- ReporterIn

Das Bildungsprojekt „Sustainable Adventure – SDG ReporterIn“ gewinnt den 1. Platz des Sustainability Award 2020 in der Kategorie INTERNATIONALE KOOPERATION. Valentina Aversano-Dearborn (Mitgründerin und Geschäftsführerin des Forums für Visions in Action) spricht über den Werdegang und Erfolg des Projektes, den neuen Bildungsangeboten und dem Bewusstseinswandel.

 

Gegen Ohnmacht und Umweltverschmutzung

Das innovative Multi-Stakeholder-Bildungsprojekt „Sustainable Adventure – SDG ReporterIn“ wurde beim diesjährigen Sustainability Award ausgezeichnet. Mit der Bewusstseinsbildung durch den stetigen Austausch zwischen SDG-ReporterIn und Schulklassen zum Thema Nachhaltigkeit überzeugte es die Jury in der Kategorie INTERNATIONALE KOOPERATION. Die Dokumentation und Berichterstattung der Reisen, der direkte Dialog zwischen SDG-ReporterIn und Schulklassen, so wie auch das Teilen der gemeisterten Nachhaltigkeits-Challenges auf Social-Media-Kanälen stehen im Mittelpunkt. Mit der aktiven Beteiligung der Schulklassen soll gegen das Ohnmachtsgefühl der heutigen Generation angekämpft werden. Damit soll Mut zur Hoffnung auf eine nachhaltige und intakte Zukunft gemacht werden.

 

Nachhaltige Abenteuer

Ehrenamtliche SDG-ReporterInnen berichten von ihren täglichen Nachhaltigkeits-Challenges, die ihnen auf ihren klimafreundlichen Reisen um die Welt begegnen. Während sich die Reisenden so umweltfreundlich wie möglich mit dem Fahrrad oder Mitfahrgelegenheiten fortbewegen, versuchen sie Partnerschulklassen an ihren Erlebnissen teilhaben zu lassen. Mit Hilfe des Internets und über Social-Media-Kanäle dokumentieren sie alle Aktionen, nachhaltige Visionen sowie ökologische oder soziale Herausforderungen, welche ihnen während ihrer Weltreise unterkommen. Diese verpacken sie in spannende Berichte und Geschichten. Im Austausch mit ihren Partnerschulklassen erarbeiten sie Lösungen, wodurch ökologische, soziale oder wirtschaftliche Herausforderungen im bereisten Land zu bewältigen sind. Die reisenden SDG-ReporterInnen können somit die Welt in einem neuen Blickwinkel und mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit betrachten. Parallel dazu profitieren sie von der Kooperation mit den Schulklassen, welche durch Hintergrundrecherchen, Visionen, Aktionen oder Globalisierungsexperimenten den Blick über den Tellerrand ermöglichen und somit Wege zur nachhaltigen Gestaltung der Welt aufzeigen.

 

Perspektivenwechsel und Bewusstseinswandel

Der monatelange Austausch zwischen den einzelnen SDG-ReporterInnen und ihren Schulklassen über die virtuell geteilten Abenteuer führten bei den SchülerInnen zu einer Kenntnisvermittlung globaler Problemsituationen. Gleichzeitig führte es auch zur Bewusstseinsbildung. Das bietet stets neuen Raum für Lösungsansätze im Sinne nachhaltiger Entwicklung. Die teilnehmenden SchülerInnen wachsen zu global denkenden BürgerInnen und „changemakern“ heran, welche lernen, die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) umzusetzen und ihr Wissen lokal und global weiterzugeben.

 

Vielfältige Projekte und nachhaltige Denkansätze

Vorbei an Umweltverschmutzung, Biodiversitätsverlust und Armut lassen sich weltweit viele Projekte antreffen, die auf nachhaltige Denkansätze basieren und ökologische Lösungen aufzeigen. Schulprojekte zum Thema Müllvermeidung und Fahrrad-Transportunternehmen in Amerika. Nachhaltiger Tourismus in Costa Rica. Permakultur und Öko-Hostels in Kolumbien. Fahrradreparatur-Workshops und Fahrradmüllabfuhr in Mexiko. SDG-ReporterInnen haben viele weitere Aktionen und Visionen in Berichte verfasst. Ein gemeinsames Ziel hatten sie vor Augen: einen gesunden Planeten, auf dem ein gutes Leben für alle möglich ist.

 

Im Gespräch mit Valentina Aversano-Dearborn

Valentina Aversano-Dearborn ist Mitgründerin und Geschäftsführerin des Forums für Visions in Action und zuständig für das Projekt „Sustainability Adventure – Werde SDG ReporterIn!“. Aversano-Dearborn stellt das Projekt vor und spricht über den Werdegang und Erfolg des Projektes, die neuen Bildungsangebote und den dadurch angestrebten Bewusstseinswandel.

 

OS4S: Wann und warum ist das Projekt „Sustainability Adventure“ entstanden. Welche Notwendigkeit und Motivation gab es dafür?

Aversano-Dearborn: In den Jahren 2012 und 2013 war ich selbst noch als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig, als eine Studie herauskam, die über den geringen Optimismus von jungen Menschen in Bezug auf ihre Zukunft berichtete. Zu der Zeit führten wir zu dem Thema auch Interviews durch und haben gemerkt, dass es ein Programm braucht, um jungen Menschen Hoffnung zu geben. Im regen Austausch zwischen SchülerInnen und Studierenden sollte eine Brücke gebaut werden, um Visionen auszutauschen. Dies konnte anfangs am besten durch Studierende und wissenschaftliche MitarbeiterInnen in Sabbaticals umgesetzt werden, welche ihre Visionen an Schulklassen weitergaben, diese von ihren Auslandsaufenthalten erzählten und aktiv daran teilhaben ließen.

Die Idee der Sustainability Adventures basiert ursprünglich auf der Idee der Buchreihen „Choose your own adventure“, in dem die LeserInnen entscheiden, wie die Geschichte weitergeht. So startete 2013 unsere erste Sustainability Adventure, bei der zwei österreichische und eine amerikanische Schulklasse die nachhaltige Reise der ersten SDG-Reporterin virtuell begleitete und partizipativ unterstützte.

Die Überzeugung hinter der Idee der Sustainability Adventure ist, dass Studierende und junge WissenschaftlerInnen bei Auslandsaufenthalten viel erleben und somit die Zugbrücke zu globalem und grenzüberschreitendem Lernen darstellen. Gemeinsam bieten sie in Verbindung mit dem Thema Nachhaltigkeit und der Ermächtigung junger Leute zukunftsfähige Lösungen. Die Schulklassen bekommen durch den regelmäßigen Kontakt mit dem SDG-Reporter einen Blick in die Welt und lernen, welche Auswirkungen ihre Handlungen und Aktionen auf einem anderen Teil der Erde haben können. Durch das länderübergreifende Denken kommt es zur globalen Vernetzung und gleichzeitig auch zum globalen Lernen.

OS4S: Im Mittelpunkt des Bildungsprojektes „Sustainable Adventure“ stehen Challenges. Was kann man sich darunter vorstellen?

Aversano-Dearborn: Die Challenges, welche Schülerinnen und Schüler aktiv miteinbindet, stehen im Mittelpunkt des Projektes. Die Schulklassen bekommen Berichte zu unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen, welche sie in Form von Rechercheaufgaben bearbeiten und die dabei erlangte Kenntnis dem oder der SDG-Reporterin zukommen lassen. Dadurch, dass SchülerInnen in die Problemlösung eingebunden werden, findet ein interaktiver Austausch zwischen SDG-ReporterInnen und Schulklassen statt.

Die sogenannten Nachhaltigkeits-Challenges finden einmal im Monat statt und beziehen sich immer auf die aktuellen Problematiken, welchen die SDG-ReporterInnen auf ihrem Weg begegnen. Häufig basiert dies auf einem Studien- beziehungsweise Forschungsfokus.

Bis jetzt gab es nur positive Rückmeldung von Seiten der Schülerinnen und Schüler. Sie haben gemerkt, dass ihre Recherchen für etwas gut sind, weil sie jemandem nutzen und auch einen Einfluss auf die Reise des SDG-Reporters hat. Somit machten sie den Unterschied aus, wie nachhaltig die Reise weitergeht.

In erster Linie sollen die Reisenden natürlich ihrer eigenen Interessen des nachhaltigen Reisens nachgehen. Dennoch sollten sie die Erfüllung der SDGs im Hinterkopf behalten.

OS4S: Sie geben in der Projektbeschreibung an: „Während der Reise haben die SDG-ReporterInnen die Mission, inspirierende SDG-Lösungsansätze zu finden und zu teilen.“ Bitte geben Sie Beispiele für solch inspirierende SDG-Lösungsansätze.

Aversano-Dearborn: Lösungsansätze wurden immer im Zuge von Nachhaltigkeits-Challenges gesucht. So gab es schon mal die Mobilitäts-Challenge, bei der die umweltfreundlichste Reisemöglichkeit für den SDG-Reporter gefunden werden musste. Es wurde der CO2-Impact von Carsharing, Bus oder eigens gemietetem Auto berechnet, die Route herausgesucht und auch geschaut auf welche Grenzen man während der Reiseplanung in einem anderen Land stößt. Die Schulklassen bekamen bei ihrer Suche und Planung Unterstützung aus Literatur und hilfreichen Quellen. Per Instagram wurde die Story, wie auch die nachhaltigste Möglichkeit zu reisen zwischen Reisenden und SchülerInnen ausgetauscht. Ein weiteres Beispiel ist die Müll-Challenge. Hierbei dokumentieren die SDG-ReporterInnen das Müllproblem vor Ort fotografisch. Die Fragestellungen, ob es mehr Müll in Nicaragua oder in Österreich gäbe und wie sich das Müllaufkommen und Abfallmanagement kreativ und innovativ lösen und gestalten lasse, wurden von den Partnerschulklassen bearbeitet.

Die jeweiligen Challenges kommen von den SDG-Reportern und handeln von den Problematiken, denen die Reisenden auf ihrem Weg begegnen. VIA hilft ihnen, ihre Challenges pädagogisch aufzubereiten, um die zu behandelnden Themen geeignet für den Unterricht zu gestalten.

Vor der Abreise der SDG ReporterInnen findet ein Workshop für alle Beteiligten mit unterschiedlichen Modulen statt. Darin dreht sich alles um die SDGs, nachhaltiges Reisen, Storytelling oder Global Citizenship. Mit diesen Inhalten sind die ReporterInnen auf ihre Reise und die Kommunikation mit den Schulklassen vorbereitet.

OS4S: Wie viele SDG-ReporterInnen haben bereits an Ihrem Bildungsprojekt „Sustainable Adventure“ teilgenommen?

Aversano-Dearborn: Das ehrenamtliche Projekt gibt es schon seit 7 Jahren, wovon wir jedes Jahr circa 2 Reporterinnen und Reportern auf ihrem Weg durchs Ausland begleiten durften. Neben den bisher gereisten 14 SDG-ReporterInnen ist die Bereitschaft in den letzten Jahren gestiegen. Daher versuchen wir, im Zuge von virtuellen Workshops eine größere Zahl an SDG- ReporterInnen gleichzeitig auszubilden und auf lokale wie auch globale „Micro-Adventures“ loszuschicken. Allein seit der Corona Krise konnten wir bereits mehr als 20 neue SDG- ReporterInnen ausbilden und international vernetzen.

OS4S: Bitte geben Sie einen Ausblick in die Zukunft. Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Aversano-Dearborn: Trainings und Workshops für SDG-ReporterInnen werden wie gesagt im Zuge der Corona-Krise inzwischen auch Online abgehalten. Im virtuellen Raum werden Studierende nicht nur zu SDG-Reportern ausgebildet, sondern auch auf „Micro-Adventures“ losgeschickt. Das Goethe Institut hat uns angefragt virtuelle Jugendbegegnungen im Kontext der SDGs für ihre internationalen Partnerschulen abzuhalten. Des Weiteren begleiten wir im Zuge des internationalen #WinWin Awards insgesamt 20 jugendliche „changemaker“. Sie kommen aus verschiedensten Ländern und begeben sich auf digitale Reise des transnationalen Lernens. Einerseits können sie sich bei virtuellen Besuchen untereinander über die individuellen Lebensumstände austauschen. Andererseits haben sie die Möglichkeit ihre persönlichen Erfahrungen mittels Storytelling mitzuteilen.

Das neue Peer-learning-Projekt der Sustainability Adventure beinhaltet wieder eine SDG-Mission und Challenges auf der drei wöchigen virtuellen Reise. Das Projekt befindet sich aktuell in einer Art Post-Corona Version. Auch als SDG-ReporterInnen in einem lokalen Micro-Adventure müssen die Teilnehmenden ein sogenanntes Onboarding-Training absolvieren. Hier lernen sie alle notwendigen Skills für ihre Reise. Im zweiten Stopp haben sie eine Woche Zeit, ihre Co-Reporter/Innen kennenzulernen. Die ist wichtig, um sich auszutauschen, gegenseitig Tipps zu geben und im Zuge ihrer Mission voneinander zu lernen. Am Ende der Reise werden die Projektgeschichten erzählt und geteilt. Die neu erlangten Erkenntnisse werden am Ende der Learning-Journey gefeiert.

Hierzu muss ich anmerken, dass durch die Corona-Krise die Teilnahme und der Austausch nochmals internationaler geworden. Mithilfe der Digitalisierung des Projektes konnten wir die Welt noch ein Stück näher und noch klimaschonender zusammenbringen.

OS4S: Gibt es abschließend noch etwas, was Sie der Leserin und dem Leser mitteilen möchten?

Aversano-Dearborn: In Zeiten des Klimawandels, neuen weltweiten Rassismus-Tendenzen, der Corona-Pandemie oder der Überforderung mit Krisen, sind so viele Menschen beunruhigt, wie es weitergeht. Umso wichtiger ist es, diesen Ängsten hoffnungsvoll entgegenzutreten. Daher lade ich alle ein, bei unseren Sustainability-Adventure Trainings und Austauschprogrammen im digitalen Raum Hoffnung zu sammeln. Lassen Sie sich inspirieren. Wir arbeiten für eine nachhaltige Entwicklung über die Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten.  

OS4S: Vielen Dank für das Gespräch.

Aversano-Dearborn: Ich danke auch.

 

Weiterführende Information

  • Geschichten von SDG-ReporterInnen: hier
  • Forum Visions in Action (VIA) : hier
  • Sustainability Adventure: hier
  • Lehrmaterialien zu den Sustainable Development Goals: hier
  • Das neue Peer-learning-Projekt #WinWin: hier

 

Beitrag 9 der Serie „Das war der Sustainability Award 2020“.