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„Das angestrebte Ziel sollte nicht mehr der materielle Vorteil sein“

5 Fragen an Gerhard Hobiger, Leiter der Fachabteilung Geochemie der Geologischen Bundesanstalt und Mitglied des Wiener Naturschutzbeirates.

Mit welchem Thema der Nachhaltigkeitsforschung befassen Sie sich?

Ich analysiere Wässer, Böden und Gesteine und bestimme ihre chemische Zusammensetzung, um die Wechselwirkungen zwischen diesen zu erforschen.

Wie sind Sie zu Ihrem Forschungsgebiet gekommen?
Schon in der Jugend faszinierten mich die Naturwissenschaften und davon speziell die Chemie. Im Chemiestudium spezialisierte ich mich auf analytische und theoretische Chemie. Nach dem Studium wurde ich in meiner beruflichen Tätigkeit mit der Wasserchemie vertraut, was mich in weiterer Folge zu den Fragen der Zusammenhänge zwischen Geologie und Wasserinhaltsstoffen führte. Dabei interessiert mich speziell was auf Grund der Geologie in das Wasser eingebracht wird und welche Rolle das Kohlensäuregleichgewicht dabei spielt.

Was kann jede und jeder Einzelne zur Nachhaltigkeit beitragen?
Jede/r Einzelne kann zur Nachhaltigkeit  beitragen, indem sie/er bewusst mit dem, was die Natur dem Menschen bietet, mit einer gewissen Achtung umgeht. Dieses Verhalten sollte so zur Selbstverständlichkeit gehören, sodass es zur gleichen Selbstverständlichkeit an die nächste Generation übertragen wird.

Welche Herausforderungen stehen auf globaler Ebene an? Was müsste getan werden, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen?
Die Hauptherausforderung auf globaler Ebene ist, dass in Zukunft nicht nur reines Wachstum angestrebt wird. Dies ist schon von den nur in begrenzten Mengen vorhandenen Rohstoffen nicht von Dauer. Das angestrebte Ziel sollte nicht mehr der finanzielle bzw. materielle Vorteil sein, was allerdings nur durch ein generelles Umdenken erreicht werden kann.

Trotz aller Bemühungen ist der Ressourcenverbrauch höher als je zuvor. Woran liegt das?
Dies liegt vor allem an dem modernen und extrem vernetzten hochtechnisierten System. Die Folge davon ist, dass jede/r Einzelne/r nicht mehr in der Lage ist, zu erkennen, aus welchen Bestandteilen die einzelnen in Verwendung stehenden Geräte bzw. Materialen zusammengesetzt sind und wie viel Energie dafür eingesetzt werden musste bzw. in der Verwendung eingesetzt wird. Daher ist es eigentlich unmöglich abzuschätzen, wie viel Rohstoffe und Energie dafür notwendig waren bzw. sind, um es nach der Fertigstellung in den Händen zu halten und auch zu verwenden. Wäre das jede/m bewusst, würden sehr viele unsere hochtechnisierte Welt mit anderen Augen sehen.