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CO2-neutrale Gebäudesanierung im Projekt ZeCaRe

Das Projekt „Zero Carbon Refurbishment II (ZeCaRe)“ gewinnt den 1. Platz des Sustainability Awards 2020 in der Kategorie FORSCHUNG. Elisabeth Wieder (Projektmitarbeiterin, FH Salzburg) spricht über das Ziel einer CO2-neutralen Sanierung und Nachverdichtung im Wohngebiet.

Salzburger Wohnsiedlung CO2-neutral saniert

Das Projekt „Zero Carbon Refurbishment II (ZeCaRe)“ des Forschungsinstitutes Smart Building & Smart City der Fachhochschule Salzburg wurde beim diesjährigen Sustainability Award ausgezeichnet. Mit dem Ziel der ganzheitlichen Betrachtung und CO2-neutralen Sanierung einer 1985 errichteten Salzburger Wohnsiedlung überzeugte das Projekt die Jury in der Kategorie FORSCHUNG.

 

Zukunft aktiv mitgestalten

Die Zukunft aktiv mitgestalten können Studierende des Bachelor- und Masterstudienganges Smart Buildings. Der Blick auf eine ganzheitliche Betrachtung von Gebäuden wird dabei geschärft. Somit können sie das Lebensumfeld nachhaltig verändern. Mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit werden Bau- und Ingenieurwesen mit  energieeffizienter Gebäudetechnik vereint. Wichtig dabei ist, dass der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen praxisnahe erlernt wird.

 

Das Projekt ZeCaRe

Im Projekt „Zero Carbon Refurbishment II“ betrachtete man unter wissenschaftlicher Begleitung die zu sanierende Wohnsiedlung ganzheitlich. Dementsprechend sollte die Lebensqualität der Siedlungsbewohnerinnen und -bewohner durch die nachhaltige Gestaltung von Mobilität, sozialer Strukturen und Freiraumgestaltung verbessert werden. Dabei wurde die Aufwertung des Wohnungsobjektes in dessen Qualität und Benutzbarkeit als Ziel verfolgt. Das Motto dabei: Es gilt Gebäude zu entwickeln, die unsere Lebensqualität positiv beeinflussen. Den Vorgaben des Pariser Klimaabkommens folgend wurde die Salzburger Wohnsiedlung so CO2-neutral wie möglich saniert und modernisiert. In der ganzheitlichen Betrachtung wurden Mobilitätskonzepte, neuartige Haustechnikkonzepte und ökologische Sanierung bei Nachverdichtung verfolgt. Dies soll zum Beispiel durch eine erneuerbare Energieversorgung der Siedlung durch Photovoltaikanlagen oder der Kombination aus Abluft- und Abwasserwärmerückgewinnung oder alternative Mobilitätsangebote umgesetzt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse der CO2-neutralen Sanierung aus diesem Projekt sollen die Übertragbarkeit auf weitere Wohnsiedlungen ermöglichen.

 

Im Gespräch mit Projektmitarbeiterin Elisabeth Wieder

Elisabeth Wieder ist Projektmitarbeiterin des Forschungsprojektes Zero Carbon Refurbishment II. Sie spricht über das Projekt, die Rolle von Studierenden in diesem Projekt sowie über die CO2-neutrale Sanierung von Gebäuden und den gesellschaftlichen Mehrwert des Projektes.

 

OS4S: Wie und wann kam es zu dem Forschungsprojekt „Zero Carbon Refurbishment II“ – Welche Notwendigkeit und Motivation gab es dafür?

Wieder: Es gab verstärkt Beschwerden von BewohnerInnen über Baumängel und Schäden. Anschließend beauftragte der Bauträger Heimat Österreich im Jahr 2015 ein Sanierungskonzept. In einem Smart City Workshop wurden gemeinsam mit der Stadt Salzburg als Grundstückseigentümer die zentralen Projektziele im Sinne des Smart City Masterplans definiert. Daraus entstand ein Sondierungsforschungsprojekt im Smart Cities Programm des Klima- und Energiefonds, um die Sanierung inklusive Nachverdichtung in Richtung Null CO2-Ausstoß zu entwickeln.

OS4S: Sie stellten sich im Projekt die Frage „Wie gelingt eine CO2-neutrale Sanierung einer Siedlung in Salzburg?“  Wie kann sie gelingen? Bitte geben Sie ein Beispiel.

Wieder: Eine CO2-neutrale Siedlung entsteht durch gemeinsames integrales Planen und interdisziplinäres Arbeiten im Team. Einerseits durch die Verwendung ökologischer Materialien, von der Bautechnik über die Gebäudetechnik bis zu den Bodenbelägen und andererseits über ein innovatives Haustechnikkonzept. Die Innovation besteht in der Nutzung des Abwassers und der Abluft als Wärmequelle für die Wärmepumpe in Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage. Mithilfe eines neuen Mobilitätskonzepts soll der  Stellplatzschlüssel trotz Nachverdichtung gesenkt werden. Sehr hohen Stellenwert hat auch die sozialwissenschaftliche Begleitung der Sanierung im Projekt.

OS4S: Welchen gesellschaftlichen Mehrwert leisten die Forschungsergebnisse aus dem Projekt?

Wieder: Im Raum Salzburg und in ganz Österreich sind ähnliche Siedlungen aus der gleichen Zeit und im gleichen Zustand vorhanden. Dadurch ist die Multiplizierbarkeit gegeben und die Ergebnisse und Lerneffekte können direkt auf neue Quartierssanierungen umgelegt werden. Das Forschungsprojekt wird aufgrund der notwendigen Absiedelung durch die sozialwissenschaftliche Begleitung Erkenntnisse hinsichtlich Bewohnereinbindung und Bewusstseinsbildung schaffen. Solch ein Sanierungsprojekt leistet auch einen Beitrag zu den Pariser Klimazielen. 

OS4S: Das Forschungsprojekt ist im Studiengang „Smart Building“ der FH Salzburg eingebettet. Inwiefern spielen Studierende eine Rolle im Projekt „Zero Carbon Refurbishment II“?

Wieder: Die Studierenden werden über Bachelor- und teilweise Masterarbeiten in der Mitarbeit an einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt motiviert. Forschungsgeleitete Lehre genießt an der FH Salzburg hohen Stellenwert. Demnach sind die Ergebnisse und Konzepte auch in die Lehrveranstaltungen im Bachelor Smart Building und im Master Smart Buildings in Smart Cities eingebunden.

OS4S: Das Forschungsprojekt endete im März 2020. Soll es weiterführende Aktivitäten geben? Welche Ziele verfolgen Sie in der Zukunft?

Wieder: Das Forschungsprojekt wurde verlängert und endet nun mit 31.Dezember 2021. In Zukunft streben wir weiter nach klimarelevantem Bauen und Sanieren im Bestand. Dementsprechend zählen zu den Schwerpunkten beispielsweise Gebäudehüllen, Energiesysteme, Wasserstoff und Smart Buildings in Smart Cities.

OS4S: Gibt es abschließend noch etwas, was Sie der Leserin und dem Leser mitteilen möchten?

Wieder: Um die Klimaziele zu erreichen müssen viele Räder ineinandergreifen. Die Sanierungsrate muss sich drastisch erhöhen bei gleichzeitiger Nachverdichtung und Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch die Nutzerinnen und Nutzer können selbst Energie sparen beziehungsweise ihr Mobilitätsverhalten verändern, um den CO2-Ausstoß zu verringern.

OS4S: Vielen Dank für das Gespräch.

Wieder: Danke sehr.

 

Weiterführende Information

  • Bachelor Smart Building: hier
  • Projekt Zero Carbon Refurbishment II: hier
  • Werkschau des Studienganges Smart Buildings: hier

 

Beitrag 3 der Serie „Das war der Sustainability Award 2020“.