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Berufliche Integration mit WNWmed-NOST

Das Projekt „WNWmed-NOST“ des WissenschafterInnenNetzWerks gewinnt den 1. Platz des Sustainability Award 2020 in der Kategorie VERWALTUNG UND MANAGEMENT. Tamar Kinaciyan (Präsidentin des Netzwerks, MedUni Wien) spricht über die Integration ausländischer ÄrztInnen, das Peer-to-Peer-Projekt, den Informationsveranstaltungen und Beispiele geglückter Integrationen in Österreich.

 

Wertvoller Beitrag für die Gesellschaft

Das Integrationsprojekt des WissenschafterInnenNetzWerks (WNWmed-NOST) wurde beim diesjährigen Sustainability Award ausgezeichnet. Mit dem nachhaltigen Beitrag mithilfe erfolgreicher Integrationsprozesse ausländischer Ärztinnen und Ärzte in medizinische Bereiche und in der Gesellschaft überzeugte es die Jury in der Kategorie VERWALTUNG UND MANAGEMENT.

 

Integration durch Information und Vernetzung

Das WissenschafterInnenNetzWerk versucht seit Anbeginn der Gründung im Jahr 2010 den Informationsaustausch, die Integration und Vernetzung von NostrifikantInnen zu fördern, um somit hochqualifizierte Personen im medizinischen Bereich so schnell wie möglich zu integrieren. Das Projekt zur Integration von ausländischen ÄrztInnen durch verbesserte Nostrifizierung besteht aus Informations- und Vernetzungsveranstaltungen, der Organisation von Lerngruppen (Peer-to-Peer) und unterstützt die Durchführung von „Observerships“. Das Netzwerk bietet den NostrifikantInnen die Möglichkeit, sich und ihre Erfahrungen auszutauschen und fördert den gegenseitigen Austausch. Somit profitieren junge NostrifikantInnen von bereits integrierten Mitgliedern oder werden durch Studierende begleitet und auf die Prüfungen in deutscher Sprache vorbereitet. Ziel ist es, den Nostrifikationsprozess so effizient wie möglich zu gestalten, damit „high Potentials“ so rasch wie möglich in das Berufsleben integriert werden, da gut integriertes Arztpersonal eine wertvolle Ressource darstellen.

 

Im Gespräch mit Tamar Kinaciyan

Tamar Kinaciyan ist Präsidentin des Netzwerks WNWmed an der Medizinischen Universität Wien. Sie spricht über die Integration ausländischer ÄrztInnen, das Peer-to-Peer-Projekt, die Informationsveranstaltungen und Beispiele geglückter Integrationen in Österreich.

 

OS4S: Wann und warum ist das Projekt „WNWmed-NOST” entstanden – Welche Notwendigkeit und Motivation gab es dafür?

Kinaciyan: Im Herbst 2016, im Rahmen einer Klausur, kam es zu der Idee für das Projekt. Dies geschah unter anderem basierend auf Beobachtungen eines Mitglieds, welches die Schwierigkeiten der NostrifikantInnen bei den Prüfungen erkannte. Die NostrifikantInnen erhielten alle sachlichen Informationen zu Prüfungsterminen und zu dem Ablauf. Sie hatten jedoch keine Möglichkeiten von den Erfahrungen früherer NostrifikantInnen zu profitieren und erhielten kaum Hilfestellung, sich zu vernetzen oder auch gemeinsam zu lernen. Die Auftaktveranstaltung für das Projekt fand am 24.10.2017 statt.

OS4S: Hinter dem Projekt steht der Verein WNWmed. Welche Ziele verfolgt der Verein grundsätzlich?

Kinaciyan: Der Verein fördert den Informationsaustausch unter den Mitgliedern wie auch der gegenseitigen Förderung in Forschung und Karriere. Ein weiteres Ziel ist es, NachwuchswissenschafterInnen an der Medizinischen Universität Wien zu fördern. Des Weiteren kooperieren wir mit anderen WissenschafterInnen-Netzwerken wie WISIA, SORORITY, Zukunft.Frauen Alumnae Club und vielen mehr. Wir bieten ausländischen ÄrztInnen Hilfestellung und Beratung, halten diesbezüglich Fortbildungsveranstaltungen ab und stellen gemeinsame Projekte auf, um unsere NostrifikantInnen an der MedUni zu unterstützen.

OS4S: Welche Aktivitäten werden im Projekt „WNWmed-NOST” realisiert?

Kinaciyan: Das Projekt besteht aus drei Hauptpunkten. Dem Peer-to-Peer Projekt, dem Observer Netzwerk und den Informationsveranstaltungen. Im Peer-to-Peer-Projekt geht es um die Begleitung interessierter NostrifikantInnen durch Studierende der Humanmedizin und bereits nostrifizierte beziehungsweise kurz vor Abschluss der Nostrifikation stehenden KollegInnen zur Unterstützung bei der Nostrifikation sowie gemeinsame Lerngruppen. Auch Sprachförderung durch die Abhaltung von Arzt-Patienten-Gesprächen mit MedizinstudentInnen stellt einen Teil des Projektes dar. Mit dem Observer-Netzwerk bieten wir aktive Hilfestellung für NostrifikantInnen im Rahmen der täglichen Routine, beim praktischen Lernen für die jeweiligen Prüfungsfächer und für das spätere Berufsleben. Die Informationsveranstaltungen stehen für Interessierte und AnwärterInnen zur Verfügung. Hier steht die Vorstellung des Projektes „WNWmed-NOST“ im Mittelpunkt. Für WNWmed-NOST-ProjektteilnehmerInnen ist die Informationsveranstaltung die Voraussetzung für die Eintragung in die österreichische Ärzteliste, sie bietet zu Beginn grundlegende Information für NostrifikantInnen und stellt Informationen zur Anrechnung ausländischer Ausbildungszeiten also die Nostrifikation der Facharztausbildung und zur österreichischen Spitalslandschaft bereit.

OS4S: Sie geben in der Projektbeschreibung an: „Wesentliche Ziele sind es, die Effizienz des Nostrifikationsprozess zu steigern und die ‚High Potentials’ rasch beruflich zu integrieren”. Gelingt dies zufriedenstellend? Geben Sie bitte Beispiele.

Kinaciyan: Ja, das gelingt sogar sehr gut. Das Projekt wird jährlich mittels Fragebögen und Interviews evaluiert. Die NostrifikationsbewerberInnen geben an, dass das Projekt sehr effizient ist, einerseits was die Informationen zu den Prüfungsmöglichkeiten betrifft als auch was den Prüfungserfolg betrifft. Als Beispiele möchten wir hier Milda Nanushi aus Albanien, Bashar Yacoub aus Syrien sowie Ahmed Zidan nennen. Sie sind bereits erfolgreicht nostrifiziert (Anm.: Details unter “Weiterführende Information” am Ende des Artikels).

OS4S: Bitte geben Sie einen Ausblick in die Zukunft. Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Kinaciyan: Wir finanzieren das Projekt, also die Betreuung durch MedizinstudentInnen und durch Buddies, im Jahr 2020 mit Fördergeldern der Stadt Wien Integration und Diversität. Fürs kommende Jahr planen wir auch für diese Unterstützung anzusuchen und hoffen, sie zu bekommen.

OS4S: Gibt es abschließend noch etwas, was Sie der Leserin und dem Leser mitteilen möchten?

Kinaciyan: Wir sind froh, als Gruppe dieses Projekt gestartet zu haben. Einerseits können wir damit etwas zur Verbesserung der Nostrifikations-Situation in Wien und an der MedUni Wien beitragen. Andererseits haben wir viel positives Feedback bekommen. Auch die Studierenden sind glücklich, im Projekt mitarbeiten zu können. Sie profitieren ebenfalls von den Lerngruppen. Also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

OS4S: Vielen Dank für das Gespräch.

Kinaciyan: Ich danke.

 

Weiterführende Information

  • Beispiel von M. Nanushi, B. Yacoub sowie A.Zidan: hier
  • Projekt WNWmed-NOST: hier
  • Wissenschafterinnennetzwerk für Medizin: hier

 

Beitrag 6 der Reihe „Das war der Sustainability Award 2020“