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„Was uns fehlt, ist eine positive Vision“

5 Fragen an Andreas Muhar, Leiter des Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung der BOKU Wien.

Was kann jeder Einzelne zur Nachhaltigkeit beitragen?
Wir treffen immer wieder Entscheidungen, die nachhaltigkeitsrelevant sind, bei der Wahl der Wohnform und des Wohnorts, bei der Mobilität, beim Lebensmittelkonsum etc. In manchen Fällen ist es nicht leicht, die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens abzuschätzen, aber in den meisten Fällen ist es eigentlich schon recht klar.

Welche Herausforderungen stehen auf globaler Ebene an? Was müsste getan werden, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen?
Ich könnte hier jetzt viel über den Ressourcenverbrauch und die Gefahr von Ressourcenkriegen reden oder von Fragen der Verteilungsgerechtigkeit. Das sind alles recht wichtige Themen und wir hören dazu täglich immer wieder düstere Prognosen. Leider ist die Nachhaltigkeitsforschung viel zu sehr auf die negativen Aspekte fokussiert, was uns fehlt, ist eine positive Vision, wie wir die Zukunft haben wollen.

Sie haben sich mit den Auswirkungen der globalen Erwärmung auf den alpinen Tourismus auseinandergesetzt. Welche Auswirkungen sind das und womit werden Bergsteiger in Zukunft zu rechnen haben?
Durch den Gletscherrückgang und das Auftauen von Permafrost im Hochgebirge wird zunächst einmal das Gefahrenpotenzial für die Bergsteiger erhöht, Hänge werden instabil, es gibt mehr Steinschlag, und viele Routen werden immer schwieriger zu begehen. Es wird somit auch aufwändiger für die alpinen Vereine, das Wegenetz und die hochgelegenen Schutzhütten weiterhin zu erhalten. In den tieferen Lagen werden die Auswirkungen geringer sein.

Was werden die Folgen für den Sommertourismus sein? Wie sollten die Tourismusgebiete reagieren?
Abgesehen von den höchsten Regionen ist zu erwarten, dass der Sommertourismus im Alpenraum (im Gegensatz zum Wintertourismus) vom Klimawandel eher profitieren wird, wenn andere Destinationen wie etwa der Mittelmeerraum an Attraktivität verlieren. Der Tourismus ist eine sehr dynamische Branche und hat auch bisher schon immer wieder auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren müssen. Die Investitionszyklen im Tourismus sind recht kurz, woraus sich auch flexible Reaktionsmöglichkeiten ergeben. Im Falle des alpinen Sommertourismus wird es notwendig sein, dass sich alle Akteure zusammensetzen und gemeinsam Visionen einer angestrebten Zukunft entwerfen, hier fehlt es noch an der notwendigen Kooperation.

Unter anderem findet der Klimawandel auch in Stadtparks statt. Welche Folgen sind zu befürchten und wie sollten Stadtgärten reagieren?
Ein Baum, der heute gesetzt wird, muss auch den Klimabedingungen standhalten, die in hundert Jahren gegeben sein werden, die wir aber so genau gar nicht kennen. Auch wissen wir nicht, welche Ansprüche die BesucherInnen dann haben werden. Hier geht es also darum, Systeme zu schaffen, die einer breiten Palette an möglichen Rahmenbedingungen gerecht werden.