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Transformatives Wissen schaffen

Eine Initiative zum Wissenschaftsjahr "Nachhaltigkeit/ Zukunftsprojekt Erde" 2012

2012: Das Wissenschaftsjahr “Zukunftsprojekt Erde
Für das Jahr 2012 hat die Bundesregierung Deutschlands das Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde“ ausgerufen. Die Initiative „Transformatives Wissen schaffen“ nimmt dies zum Anlass mit einer Veranstaltungsreihe zu diskutieren, wie das deutsche Wissenschaftssystem selbst hinsichtlich der Herausforderung einer Forschung und Bildung für nachhaltige Entwicklung aufgestellt ist. Träger der Initiative sind wissenschaftliche Vorreitereinrichtungen der Nawis- Runde (Runde Nachhaltige Wissenschaft aus: Leuphana Universität Lüneburg, Universität Kassel, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und IASS Potsdam) sowie des Ecological Research Network (Ecornet- Netzwerk der freien Ökoinstitute).

Ausgangspunkt der Initiative war die Analyse, dass das deutsche Wissenschaftssystem für die Bedingungen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung bisher nur unzureichend vorbereitet ist (Schneidewind 2009). Einzelne Akteure (Stiftungen, zivilgesellschaftliche Organisationen, freie Institute) fordern zunehmend eine stärkere Ausrichtung der Wissenschaftspolitik an gesellschaftlichen Schlüsselherausforderungen. Die Initiative „Transformatives Wissen schaffen“ versucht diesen Akteuren innerhalb einzelner Veranstaltungen systematisch Raum für ihre Positionen zu geben. Im Sinne einer Aktionsforschung wird mit diesem Prozess selbst Veränderungswissen für eine wissenschaftspolitisch interessierte Community generiert. Auf dem Blog „Nachhaltige Wissenschaft“ werden darüber hinaus aktuelle Informationen bereit gestellt.

Nachhaltigkeit als Leitprinzip in der Forschung und Lehre
Die bisherigen Veranstaltungen machen deutlich: Es gibt zwar vereinzelte Leuchttürme, doch in der Fläche ist die Verankerung von Nachhaltigkeit als Leitprinzip in Forschung und Lehre in der Hochschul- und Wissenschaftslandschaft noch nicht angekommen. Ähnlich, wie es im Strategiepapier der UNESCO (LINK) für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung in anderen Bildungsbereichen diskutiert wird, könnte daher ein Ziel für die Forschung für Nachhaltige Entwicklung eine dauerhafte Verankerung in verlässlichen Strukturen sein. Diese strukturelle Verankerung hat jedoch noch einige Herausforderungen, die hier nur

beispielhaft skizziert werden sollen:

  1. Eine transdisziplinäre und kontextualisierte Forschung (Nowotny) erfordert neben qualifizierten WissenschaftlerInnen, die sich wirklich auf die Perspektive von Praxispartner einlassen, auch zusätzliche Ressourcen innerhalb der Hochschulen und Forschungseinrichtungen (beispielsweise zur Moderation großer Netzwerke).
  2. Eine transdisziplinäre Laufbahn muss insbesondere für Nachwuchswissenschaftler_innen durch vielfältige Anreizsysteme attraktiv gemacht werden, u.a. auch in der Stärkung transdisziplinärer Journals.

Insbesondere die deutschen Bundesländer kristallisieren sich nun als Avantgarde in der Umsetzung einer Nachhaltigen Wissenschaft heraus. In Baden-Württemberg berät eine interdisziplinär besetzte Expertenkomission das Wissenschaftsministerium hinsichtlich der Förderung von Nachhaltiger Entwicklung in den Wissenschaftsinstitutionen des Landes. In Nordrhein Westfahlen wird die wissenschaftliche Förderung an den „great challenges“ und einer qualitativen Wachstums- und Innovationsstrategie orientiert.

Schlagworte: Offenheit und Internationalisierung

Eine bundesweite Sammlung von Forschung zu Nachhaltig konnte jenseits der etablierten bundesgeförderten Programme – im Vergleich zu Österreich – bisher nicht realisiert werden. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich die erfolgversprechenden Modelle für mehr Nachhaltigkeit in Deutschland den Föderalismus in der Wissenschaftspolitik zu nutze machen und mit dem zukunftsfähigen Profilthema Nachhaltigkeit voran schreiten.

Was aber können Deutschland und Österreich dann voneinander lernen? Plakativ könnte man hier zwei Schlagworte nennen, die wert sind weiter verfolgt zu werden: Offenheit und Internationalisierung.

Mit der Plattform Open Science for Sustainability sowie dem Projekt Sparkling Sciene wurden vom österreichischen Wissenschaftsministerium Initiativen gefördert, die zentral zu einer Öffnung des Wissenschaftssystems hin zur Gesellschaft beitragen. Hier kann Deutschland sich inspirieren lassen.

International ist vor allem in Folge von Rio + 20 ein neuer Weg eingeschlagen worden: die Integration der Global Change Forschung und der Nachhaltigkeitsforschung im internationalen Programm „Future Earth: research for global sustainability“. Hier läuft aktuell die Programmausgestaltung unter Beteiligung engagierter Länder. Diese könnte Kooperationen zwischen den deutschsprachigen Nachhaltigkeitsforscher_innen befördern.

 

Mandy Singer