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S-Factor: Nachhaltig Publizieren in der Wissenschaft

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Sustainability-Factor (S-Factor) gewinnt den 1. Platz des Sustainability Award 2018 in der Kategorie KOMMUNIKATION UND ENTSCHEIDUNGSFINDUNG. Yvonne Höller (Paris-Lodron-Universität Salzburg/University of Akureyri Iceland) spricht mit uns über Nachhaltigkeit in der Wissenschaft und das Projekt als ein Gegengewicht zum Impact-Factor.

Nachhaltigkeitsbewertung von wissenschaftlichen Publikationsorganen

Beim Sustainability Award 2018 wurde das hochschulübergreifende Projekt “Nachhaltigkeitsbewertung von wissenschaftlichen Publikationsorganen: der Sustainability-Factor (S-Factor)“ mit dem Gewinn in der Kategorie KOMMUNIKATION UND ENTSCHEIDUNGSFINDUNG ausgezeichnet. Das Kooperationsprojekt zwischen der Paris-Lodron-Universität Salzburg und der Paracelsius Medizinische Privatuniversität Salzburg wurde im Oktober 2017 auf unbegrenzte Dauer gestartet. Zu den primären Zielgruppen zählen die zu bewertenden Publikationsorgane, sprich wissenschaftliche Verlage. Zudem kommen Forscherinnen und Forscher, welche den S-Factor bei der Entscheidung für einen Verlag berücksichtigen können. Ebenso werden mit dem Projekt Herausgeberinnen und Herausgeber, sowie Gutacherinnen und Gutacher wissenschaftlicher Fachzeitschriften, Hochschulen und Forschungsbüros adressiert. Yvonne Höller – vormals an der Universität Salzburg, heute an der University of Akureyri in Island – war zum Zeitpunkt der Auszeichnung die Ansprechperson dieses Projektes. Sie hat mit uns über Nachhaltigkeit in der Wissenschaft und über das S-Factor als ein Gegengewicht zum Impact-Factor gesprochen.

 

Wie ist das Projekt entstanden?

Höller: Die große Anzahl an Verlagen, Journals und Fachzeitschriften in der Wissenschaft ist kaum noch zu überblicken. Essentiell ist, dass es keine Entscheidungsgrundlage gibt, um als Wissenschaftlerin und Wissenschaftler entlang von Nachhaltigkeitskriterien zu publizieren. Hier kommt der Sustainability-Factor ins Spiel.

 

Welche Idee steckt hinter dem Projekt?

Höller: Die Idee dahinter ist, dass wir in einer Zeit leben, in der wir als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler furchtbar viel publizieren müssen, damit wir überhaupt eine wissenschaftliche Karriere machen können. Das fängt beim Doktorat an und geht bis hin zur Professur. Ohne gute und regelmäßige Publikationen, kommt man heute einfach nicht weiter. Das bedeutet Druck. Der Druck ist vonseiten der Universitäten zu spüren. Damit steigt aber auch die Anzahl wissenschaftlicher Journals und Fachzeitschriften. Mittlerweile sind einige davon zwielichtig zu betrachten. Man bekommt gefühlt jeden Tag Einladungen, um zu publizieren. Hier ziehen die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Impact-Factor heran, um sich für Journals zu entscheiden.

 

Welch Bedeutung hat das?

Höller: Je höher der Impact-Factor, umso angesehener das Journal, desto öfter werden Artikel daraus zitiert und gelesen. Soweit die Theorie. Seit einiger Zeit werden mehr und mehr Stimmen laut, die diese Theorie in Frage stellen. Insbesondere große Journals seien oftmals in Ungnade gefallen, weil sie unlautere Praktiken betreiben. Nun gibt es den Impact-Factor und noch einige andere Indizes. Allerdings bewerten keine davon gemäß Nachhaltigkeitskriterien. Die Verlage haben zwar eine Checkliste ins Leben gerufen, anhand derer man Seriöse von Unseriöse unterscheiden könne. In dieser Liste sind Nachhaltigkeitsthemen jedoch nicht enthalten. Jetzt entwickeln wir ein Schema zur Bewertung von Nachhaltigkeit, welches jährlich aktualisiert werden soll. Unsere Idee ist, ein Gegengewicht zum Impact-Faktor zu bieten.

 

Inwiefern ein Gegengewicht zum Impact-Factor?

Höller: Wenn man beginnt, ein seriöses Gegengewicht zum Impact-Factor zu schaffen, ändert sich langfristig etwas im Wissenschaftssystem. Wir wollen Nachhaltigkeit in die Bewertung von Publikationsorganen und in die Köpfe der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bringen. Ich bin mir bewusst, dass viele Personen den Sustainability-Factor zunächst als Add-On zum Impact-Factor betrachten. In weiterer Folge soll er ein Gegengewicht zum Impact-Faktor sein.

 

In welcher Phase befindet sich das Projekt aktuell?

Höller: Wir sind gerade in der Phase, in der wir Fragebögen an Stakeholder ausschicken, um die notwendigen Bewertungsindikatoren des Sustainability-Factors zu erheben. Das Thema Nachhaltigkeit wird sehr schnell sehr breit. Deshalb wollen wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einladen, diesen Fragebogen zu beantworten, in dem wir konkret fragen, welche Merkmale in den Sustainability-Factor einfließen sollen. Anschließend wird die Auswertung publiziert und wir können mit unserer Bewertung beginnen.

 

Orientiert sich der S-Factor national oder international?

Höller: Wir streben ein internationales Schema zur Bewertung an. Eine der Herausforderungen besteht dabei, dass wir ganzheitlich betrachtet die Nachhaltigkeitsindikatoren entwickeln und eine Langfristigkeit des Vorhabens gewährleisten wollen. Hier stehen auch die Universitäten hinter uns und geben uns wertvolle Rückendeckung.

 

Das Projekt wurde in der Kategorie Kategorie KOMMUNIKATION UND ENTSCHEIDUNGSFINDUNG ausgezeichnet. Wie kommunizieren Sie den S-Faktor an Ihre Zielgruppen?

Höller: Wir sind im ständigen Austausch mit Stakeholder. Ich zähle hier sehr stark auf die Verlage. Jene Verlage, die eine gute Nachhaltigkeitsbewertung von uns bekommen, werden diese hoffentlich selbst als eine Art Alleinstellungsmerkmal weiterkommunizieren. Verlage sind ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, um Autorinnen und Autoren zu gewinnen. Hier bietet sich der S-Factor an. Bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen wir auf das tendenziell höhere Nachhaltigkeitsbewusstsein, welches unterschiedlichste Studien belegen. Für diese Personen bietet der S-Factor einen echten Mehrwert. Selbstverständlich soll sich eine Publikationsentscheidung nach dem S-Factor langfristig nicht negativ auf eine wissenschaftliche Karriere auswirken.

 

Was bedeutet der Gewinn des Sustainability Award 2018 für das Projekt?

Höller: Für das Projekt war die Auszeichnung richtungsgebend. Wir haben bei der Preisverleihung äußerst positive Rückmeldungen von der Jury bekommen. Da waren wertvolle Inputs für die Weiterentwicklung des Projektes dabei. Zudem wurde S-Factor dadurch in Österreich besser bekannt. In weiterer Folge wurden wir zu unterschiedlichen Veranstaltungen eingeladen, wo es wiederrum die Möglichkeit gab, mit Expertinnen und Experter zu sprechen und gemeinsam zu denken. All diese Inputs und guten Ideen fließen in das Projekt ein. Man kann sagen, dass wir erst durch den Sustainability Award so richtig in das Nachhaltigkeitsnetzwerk eingebunden wurden. Das hat uns an die Lebensader angeschlossen.

 

Danke für das Gespräch.

Höller: Danke.

 

Weiterführende Informationen

SA2018_SFactor_OS4S

Beitrag 6 der Serie “Das war der Sustainbility Award 2018”, verfasst von Bianca Blasl und Florian Leregger vom Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) für openscience4sustainability.