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Rio+20: Prinzip Hoffnung

Mit dem Rio+20-Gipfel wird das Thema Nachhaltigkeit in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt. Doch was darf man sich von der Gipfelkonferenz wirklich erwarten?

An Größe mangelt es Rio+20 sicherlich nicht. Mit tausenden Teilnehmern von Regierungen, Unternehmen, NGOs und anderen Stakeholdern macht die Konferenz ihrem Titel als „Weltgipfel“ alle Ehre. Doch was erwarten sich Wissenschaftler davon für die Nachhaltigkeit?

Weltweite Resonanz

„Naja, es steht diesmal bei Rio+20 nicht so etwas Hartes auf dem Spiel wie das Kyoto-Protokoll“, erklärt Marina Fischer-Kowalski, Gründerin des Institut für Soziale Ökologie der Alpen-Adria Universität Klagenfurt. Insofern könne sich zwar eine Resignation breitmachen, „aber es kann auch nicht wirklich ein Erlebnis des Scheiterns zustande kommen.“ Eines werde die Konferenz jedoch auf jeden Fall erreichen, meint Marina Fischer-Kowalski: Dem Thema Nachhaltigkeit „weltweit Resonanz zu geben und die Menschen und Medien zu erreichen. Viel mehr erwarte ich mir offen gestanden nicht.“ Immerhin sei das „schon ziemlich nützlich“.

Konkreter Arbeitsplan notwendig

Auch Stefan Giljum, Leiter der Forschungsgruppe „Nachhaltige Ressourcennutzung“ am Sustainable Europe Research Institute (SERI) in Wien, hegt keine allzu großen Hoffnungen: „Das Erwarten und Erhoffen divergiert sehr, muss ich sagen. Insbesondere weil wir auch mit Personen in Kontakt sind, die in der Vorbereitung der Konferenz eingebunden waren.“ Das Sustainable Europe Research Institute arbeitet unter anderem mit der UNIDO zusammen, die Themen wie „Green economy“ oder „Green industry“ inhaltlich voranzutreiben versucht. „Und da hatten wir einige Gespräche, die aus meiner Sicht sehr ernüchternd waren, weil es so schwierig ist, sich in der Weltgemeinschaft auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen, was konkrete Ziele, konkrete Maßnahmen und konkrete Kooperationen betrifft.“ Stefan Giljum erwartet sich daher „sehr wenig abseits eines schön klingenden Dokuments, das wir alle unterstützen können, das aber wahrscheinlich auch relativ nichtssagend ist.“

Für wirklich substanzielle Fortschritte bräuchte es einen konkreten Arbeitsplan, so Stefan Giljum: „Im Idealfall würde ich mir eine konkrete Roadmap wünschen, die sowohl seitens der Industrieländer als auch der Schwellenländer echte Commitments zur Nachhaltigkeit beinhaltet.“ Dass das bislang nicht geschehen ist, läge vor allem an den Industrieländern, „weil wir in den reichen Ländern letztendlich nicht bereit sind, finanzielle Mittel bereitzustellen und nachhaltige Wege einzuschlagen.“

Solange die Industrieländer nicht mit gutem Beispiel vorangehen, sei es nur legitim, dass sich die Schwellenländer lediglich auf die Erhöhung ihres Lebensstandards konzentrieren. „Natürlich geht es auch darum, Schwellenländer einzubeziehen“, meint Stefan Giljum. „China zum Beispiel ist jetzt schon größter Klimagasemittent und mit Abstand größter Material- und Rohstoffverbraucher weltweit.“ Ein Abkommen ohne die Schwellenländer mache somit auch keinen Sinn, aber: „Die werden nur einsteigen, wenn sie merken, dass wir bereit sind, wirklich substanzielle Schritte zu setzen. Das sehe ich im Moment nicht, insbesondere jetzt in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten, wo die Prioritäten sowieso ganz andere sind.“

“Niedergangsverwaltung”

Noch ein Stück drastischer drückt es die Umwelthistorikern Verena Winiwarter aus. Sie glaubt, „dass die derzeitige Umweltpolitik eigentlich nur Niedergangsverwaltung ist.“