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Nachhaltigkeits- und Klimaforschung in Österreich

Minister Töchterle, Dekanin Winiwarter, Vizerektor Glößl, Ökologe Grabherr und ZAMG-Direktor Staudinger informierten in gemeinsamer Pressekonferenz über aktuelle Forschungsprojekte.

„Österreich ist in der Nachhaltigkeits- und Klimaforschung sehr gut ausgewiesen. Die ‚grüne Wissenschaft‘ hat sich in den vergangenen Jahren zu einem herausragenden Stärkefeld der heimischen Wissenschafts- und Forschungslandschaft entwickelt“, erklärte Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Karlheinz Töchterle im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IFF-Dekanin Dr. Verena Winiwarter, BOKU-Vizerektor Dr. Josef Glößl, Univ.-Prof. Dr. Georg Grabherr sowie ZAMG-Direktor Dr. Michael Staudinger.

Projekte werden vorgestellt

Dabei stellte Minister Töchterle auch OpenScience4Sustainability vor sowie die vom Ministerium geschaffenen Praktikumsplätze zum Thema Nachhaltigkeitsforschung. Im Zuge der Initiative „Rio+20 – Wissenschaftler/innen und Jugendliche ziehen Bilanz“ ermöglicht das BMWF 118 Jugendlichen, sich im Sommer im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums ein Bild von der österreichischen Nachhaltigkeitsforschung an einer Universität oder in einer Forschungseinrichtung zu machen. Jedes Praktikum wird mit 1.200 Euro gefördert.

Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus namhaften Forschungseinrichtungen behandeln die Schülerinnen und Schüler spannende Forschungsergebnisse oder Produktentwicklungen, die den Zielen der Agenda 21 entsprechen. Ausgehend davon entwickeln sie unter Anleitung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Visionen und Wünsche, die dann zu Entwürfen für Buchbeiträge zusammengefasst und beim BMWF eingereicht werden. Alle Berichte werden auf der Webseite des BMWF veröffentlicht sowie in Printmedien und Hörfunkbeiträgen vorgestellt. Die 30 besten Beiträge werden von einer Jury ermittelt und in einem eigenen Jubiläumsband herausgegeben. Präsentiert wird die Publikation von Bundesminister Karlheinz Töchterle im Rahmen einer Veranstaltung im Herbst 2012 in Zusammenarbeit mit Ö1.

„Damit bieten wir jungen Menschen einen besonders praktischen Zugang zum Thema Nachhaltigkeit, der zur Bewusstseinsbildung und zur Steigerung des Interesses beitragen kann“, betonte Töchterle.

Verbindung von Forschung und Entwicklung

Unsere Nachhaltigkeitsforschung ist inter- und transdisziplinär“, erklärte Dr. Verena Winiwarter, Dekanin der Fakultät für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Universität Klagenfurt. „Auf diesem Gebiet hat die Fakultät 30 Jahre Erfahrung. Wir sind klein, aber leistungsstark.“ Das Konzept des „gesellschaftlichen Stoffwechsels“, das am Institut für Soziale Ökologie entwickelt wurde, „ist in der internationalen Nachhaltigkeitsforschung angekommen. So wie vieles andere konnten wir es dank der Programmförderung des BMWF in den 1990er Jahren entwickeln“, so die Dekanin. „Stolz sind wir auch auf die Verbindung von Forschung und Weiterbildung. So erreicht zum Beispiel unser Lehrgang zur ‚Bildung für nachhaltige Entwicklung‘ Lehrerinnen und Lehrer als wichtige Multiplikatoren.“

Sustainibility Award für die Universität Klagenfurt

Die Universität Klagenfurt hat 2012 einen „Sustainability Award“ im Handlungsfeld „Regionale Kooperation“ erhalten.

„Vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Grundlagenforschung erlaubt uns, ökologische Langzeitstudien zu unternehmen: Der Blick in die Umweltgeschichte ist eine wichtige Grundlage für eine nachhaltige Zukunft. Die kluge Kombination von Anwendung und Grundlagen ist unsere Stärke“, so Winiwarter.

 

„Für die BOKU ist die Förderung der Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre und im Bereich der Betriebsführung ganz wesentlich. Denn nur unter diesem Aspekt können wir uns umfassend den globalen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit stellen. Themen wie begrenzte Rohstoff- und Energieversorgung, steigende Nachfrage nach hochwertigen Lebens- und Futtermitteln, die Verfügbarkeit von Wasser oder Bedrohungen durch den Klimawandel werden an der BOKU umfassend aus naturwissenschaftlicher, technischer und sozioökonomischer Sicht bearbeitet“,

sagte Josef Glößl, Vizerektor für Forschung an der Universität für Bodenkultur Wien. Als „Universität des Lebens“ nimmt die BOKU in Bezug auf Nachhaltigkeit somit eine besondere gesellschaftliche und politische Verantwortung wahr. Dass dies auch international wahrgenommen wird, beweist das „Green Metric University Ranking“, in dem die BOKU unter 178 weltweit untersuchten Universitäten den ersten Platz im deutschsprachigen Raum und den zwölften in Europa belegt.

Wissenschaftler leisten Beitrag zu zentralen Fragen der Klimafolgenforschung

Laut Dr. Georg Grabherr, Univ.-Prof. für Ökologie und Naturschutz an der Universität Wien und internationaler Berater für Ökologie- und Klimafolgenfragen, würden Forscherinnen und Forscher in Österreich „einen wesentlichen Beitrag zu zentralen Fragen der Klimafolgenforschung“ leisten. Österreich habe als Hochgebirgsland „seine spezielle Chance, direkte Beobachtungen von den Tälern bis zu den Gletscherregionen durchzuführen. Klimafolgen können vor allem in den Hochregionen ohne Störung durch andere Einflüsse studiert werden.“ Es seien „gerade diese Studien, die von den Topjournalen beachtet werden. Als Ernte jahrelanger Bemühungen konnten österreichische Forscher Erkenntnisse vorlegen, die heute zum Grundbestand unseres Wissens über den Klimawandel zählen.“

„Forschungsvorhaben für Nachhaltigkeitsfragen benötigen genaue Unterlagen in Form von Beobachtungsdaten, Klimamodellen und angewandte Klimaforschung“, betonte Dr. Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Die ZAMG ist auf allen drei Gebieten sehr aktiv und in Österreich mit allen Universitäten in klimarelevanten Fragen in über 50 aktuellen Forschungsprojekten durch Kooperationen verbunden.“ Als Beispiel für eine konkrete Anwendung nannte er mehrere Forschungsvorhaben des ZAMG zum Klima in österreichischen Städten. So können Hitzewellen zu zahlreichen Todesfällen führen – durch geeignete Hitzewarnungen kann diese Zahl deutlich minimiert werden. ZAMG-Forschung zu regionalen Klimamodellierungen und mikroklimatische Optimierung könne den Kühlbedarf im Sommer spürbar verringern.