3. Didaktische Kriterien der Nachhaltigkeit in der Lehre

Die starke Vernetzung verschiedenster Themen im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung und die komplexen Problem- und Fragestellungen unserer Zeit sowie deren Lösungsansätze machen es notwendig, bisher gängige Lehrmethoden zu reflektieren und neue didaktische Ansätze anzusinnen, die sich möglicherweise besser eignen, nachhaltigkeitsrelevantes Wissen zu vermitteln. Der folgende Kriterienraster wurde analog zu den inhaltlichen Kriterien aus einer Synthese zentraler Literaturstellen (vgl. u.a. de Haan et al., 2008; Rieckmann, 2010; Lozano et al., 2003 und 2006; Ferrer-Balas et al., 2010) aufbereitet.

Im Allgemeinen verspricht die Erfüllung dieser Kriterien einen besseren Erfolg der didaktischen Methoden bei der Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen im Bereich der Nachhaltigkeit. Nicht zuletzt deshalb wird ein Nachweis über die Erfüllung dieser Kriterien zunehmend auch in offiziellen Projekt-Ausschreibungen verlangt (vgl. Österreichische UNESCO-Kommission für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“).

Tabelle 2: Didaktische Kriterien im Bereich Nachhaltigkeit der Lehre (Kopfmüller 2006, Michelsen 2006, Österr. UNESCO-Komm. s.a., Ott 2009, SUSTAIN 2001)

Gesamtzusammenschau: Systemorientierte Betrachtungen, holistische Perspektiven. Fördert die Weltoffenheit und das Integrieren neuer Perspektiven. Fördert die Kompetenz zum vorausschauenden, kritischen und vernetzten Denken.
Interdisziplinarität: neben der Stärkung der Multidisziplinarität; disziplinenübergreifende Erkenntnisgewinnung. Fördert vernetztes Denken und die Fähigkeit zum interdisziplinären Arbeiten.
Transdisziplinarität: Praxisorientierung und Praxisbezug. Bearbeitung praxisbezogener Problem- und Fragestellungen, vgl. „societal impact“. Fördert die Fähigkeit zur Zusammenarbeit in heterogenen Gruppen sowie vernetztes Denken im Umgang mit Komplexität.
Problem- und Projektorientierung: Fördert die Fähigkeit zur Planung und Umsetzung innovativer Projekte und Vorhaben gemeinsam mit anderen (Kooperation). Fördert die Fähigkeit an kollektiven Entscheidungsprozessen teilhaben zu können, d.h. Kompetenz zur Partizipation. Förderung, Stärkung des Bereiches des forschendes Lernens  (Inquiry based learning)
Auseinandersetzung mit nötigen Veränderungen in Werten und Einstellungen: Fördert die Fähigkeit, eigene Leitbilder und die anderer reflektieren zu können. Stärkt die Fähigkeit zur Empathie, zum Perspektivenwechsel und zu moralischen Handlungen. Fördert die Fähigkeit, Zielkonflikte bei der Reflexion über Handlungsstrategien bewältigen zu können.
Auseinandersetzung mit nötigen Veränderungen von nicht-nachhaltigen Paradigmen in Technologie und Ökonomie: Fördert das kritische Denken. Stärkt die Bewertungskompetenz. Verbessert die Fähigkeit, Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen zu können. Stärkt die Kompetenz zum gerechten und umweltverträglichen Handeln.
Aufwertung der regionalen Ebene: regionale Orientierung, Kooperation der Universität im regionalen Umfeld. Fördert die Kompetenz zur Kommunikation und Mediennutzung.
Aufwertung und Integration der Sozialwissenschaften und soft skills: z. B. Lebensqualität, Teamfähigkeit, Lernen in partizipativen Prozessen, Moderation, Netzwerkpflege, Nachhaltigkeitskommunikation, Verantwortungsethik. Fähigkeit, sich selbst und andere motivieren zu können. Stärkung der Ambiguitäts- und Frustrationstoleranz. Studentische Mitbestimmung.