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“Smarte Grüne Welt?” von Lange und Santatrius (2018)

Steffen Lange und Tilmann Santarius beschäftigen sich in ihrem Buch “Smarte Grüne Welt” mit dem digitalen Wandel und seinen Chancen sowie Herausforderungen für nachhaltige Entwicklung. Sie stellen viele Fragen und versuchen Antworten darauf zu geben.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Die Eingabe von „Digitalisierung und Nachhaltigkeit“ in Online-Suchmaschinen ergibt eine Vielzahl an Treffern. Neben Artikeln, Analysen und Kommentaren stoßen Suchende recht rasch auch auf die Buchpublikation „Smarte Grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit“ von Tilman Santarius und Steffen Lange (2018).

Smarte Grüne Welt

Auf rund 200 Seiten beschäftigen sich Steffen Lange, promovierter Volkswirt am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin, und Tilmann Santarius, Professor für Sozial-Ökologische Transformation und Nachhaltige Digitalisierung an der TU Berlin mit dem digitalen Wandel und seinen Chancen sowie Herausforderungen für nachhaltige Entwicklung. Sie stellen viele Fragen und versuchen Antworten darauf zu geben.

Triebkräfte der Digitalisierung

Im Buch skizzieren die Autoren eingangs die wesentlichen Triebkräfte der Digitalisierung und blicken dabei auf die unterschiedlichen Anliegen zurück, die den digitalen Fortschritt seit den 1950er Jahren vorantrieben. Demzufolge zählen das Militär, die Wissenschaft und die sogenannten Weltverbesserer zu den einflussreichsten Interessensgruppen der damaligen Zeit.

Die Umwelt retten und mehr Gerechtigkeit schaffen?

In den darauffolgenden Kapiteln 3 und 4 beschäftigen sich Lange und Santarius mit Chancen und Risiken der Digitalisierung im Kontext der Nachhaltigkeit. Zuerst greifen sie ökologische Herausforderungen bzw. mögliche Reduktionspotentiale auf, die etwa beim Energie- und Ressourcenverbrauch sowie den Treibhausgasemissionen, sowie bei Mobilität und nachhaltigen Konsum- und Produktionsweisen einhergehen könnten. In diesem Zusammenhang wird dem ökologischen Fußabdruck und Rebound-Effekt stets Aufmerksamkeit geschenkt. Danach widmen sie sich den Handlungsfeldern Arbeit, Wirtschaftsdemokratie, Einkommensgerechtigkeit und Wirtschaftswachstum im Zuge der Digitalisierung. Das Fazit fällt zunächst ambivalent aus, wobei die Autoren danach explizit festhalten: „Insgesamt trägt die Digitalisierung, wie sie derzeit stattfindet, somit offenbar nicht dazu bei, dass es den Menschen mehrheitlich besser geht.

Prinzipien einer zukunftsfähigen Digitalisierung

Basierend auf den Gedanken in den Kapiteln 3 und 4 entwickeln die beiden Autoren drei Leitprinzipien, auf denen ihrer Meinung nach eine umwelt- und gerechtigkeitsorientierte Digitalisierung beruhen sollte. Dazu zählen:

  • Digitale Suffizienz nach dem Motto „So viel Digitalisierung wie nötig, so wenig wie möglich“
  • Konsequenter Datenschutz nach dem Motto „Wessen Daten? Unsere Daten!“
  • Gemeinwohlorientierung nach dem Motto „Kollaborativ statt kapitalistisch“

Solch eine zukunftsfähige Digitalisierung muss laut den beiden Wissenschaftlern Ziel der Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und eines jeden Nutzers sein.

Agenda für eine vernetzte Gesellschaft

Um die drei Leitprinzipien verwirklichen zu können, stellen die Autoren unterschiedliche Maßnahmen im Sinne einer sozialökologischen Digitalisierung vor. Dazu zählen Elemente der Digitalpolitik, beispielsweise die Implementierung bzw. Förderung von selektiven Werbeverboten und kooperativen Plattformen sowie eines Algorithmus-Gesetzes und einer digital-ökologischen Steuerreform. Nicht nur die Politik, sondern auch die Nutzerinnen der Digitalisierung können dazu beitragen, dass der digitale Wandel die Welt sozial und ökologisch verstärkt nachhaltig gestaltet. Die Autoren führen dabei insbesondere Konsumgewohnheiten, Achtsamkeit bei der Qualität von Sharing-Economy, soziale Innovationen sowie die Entschleunigung des eigenen Lebensstils an.

Plädoyer für eine sanfte Digitalisierung

Das Buch endet mit einem Plädoyer für eine sanfte Digitalisierung. Das Veränderungspotential der digitalen Technologien in den verschiedensten Lebensbereichen wird nicht angezweifelt. Die rasante Geschwindigkeit des Wandels sowie die damit zusammenhängenden Gefahren für Mensch und Umwelt lassen die beiden Autoren jedoch zum Schluss kommen, dass nicht eine disruptive, sondern eine sanfte und bedachte Digitalisierung wertvolle Beiträge zur Lösung von ökologischen und sozialen Herausforderungen liefern könne. „Was wir brauchen, ist eine Digitalisierung nach menschlichem und ökologischem Maß“.

Weiterführende Informationen

Grüne Smarte Welt_Titelbild OS4S

Eine Zusammenfassung von Florian Leregger, Geschäftsführer des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE), für openscience4sustainability.