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Erst emittiert, dann kompensiert

Wald gegen Flugreisen: Mit einem CO2-Kompensationsprojekt zeigt die Universität für Bodenkultur Wien vor, wie Nachhaltigkeit für Institutionen in der Praxis aussehen kann.

Für die Universität für Bodenkultur Wien ist das Thema Nachhaltigkeit ein ständiger Begleiter – sowohl wissenschaftlich als auch in der Lehre. „Wir sagen aber: Es reicht nicht aus, dass eine Universität in Forschung und Lehre in der Nachhaltigkeit tätig ist, sondern wir glauben, dass wir auch als Institution selbst etwas tun müssen“, erläutert BOKU-Rektor Martin Gerzabek. Die Universität für Bodenkultur unternimmt daher verschiedenste Anstrengungen, Nachhaltigkeit auch in der Praxis vorzuleben. Eines der Leuchtturmprojekte ist das Programm zur CO2-Kompensation.

Das Ausgangsproblem dürfte auch anderen Institutionen, Unternehmen und Organisationen bekannt sein, die einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten wollen: „Wir sind als Wissenschaftler dazu angehalten, auch international tätig zu sein“, so Martin Gerzabek. „Das heißt, dass wir nicht auf Reisen verzichten können, noch dazu, wo wir auch einen sehr starken Bezug zu den Entwicklungsländern haben.“ Sämtliche Reisetätigkeiten einfach einzustellen ist somit keine Option. Was also tun?

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, eine Kompensation über Nachhaltigkeitsprojekte zu machen, die wir selbst durchführen“, erklärt BOKU-Rektor Gerzabek. „Wir sind hier derzeit mit Projekten in Nord-Gondar tätig, wo wir Aufforstungen zur CO2-Kompensation durchführen.“ Das im Zuge von Flugreisen emittierte CO2 soll durch den neu entstehenden Wald bei Gondar, Äthiopien, gebunden werden.

Mittlerweile ist das Projekt zur CO2-Kompensation auch für andere Organisationen und Privatpersonen zugänglich. Auf einer eigens eingerichteten Webseite der Universität für Bodenkulturkönnen sich Flugreisende die Kompensationskosten berechnen lassen und den Betrag daraufhin an das Aufforstungsprojekt überweisen. So verursachen beispielsweise die Flüge Wien-London und zurück Kompensationskosten von rund 14 Euro.

„Wir haben uns das auch von einem externen Beirat entsprechend bestätigen lassen, der uns heute noch berät. Das Interessante war, dass auch aufgrund der Beiratstätigkeit schon andere Institutionen aufgesprungen sind.“ Zum Präsentationszeitpunkt waren bereits die österreichische Entwicklungsbank, die Austria Development Agency (ADA) sowie die Druckerei Gugler mit an Board. In der Zwischenzeit „ist auch Danone hinzugekommen“, berichtet Martin Gerzabek. „Außerdem sind wir mit weiteren größeren Firmen im Gespräch, ihre Reisetätigkeiten über unser Portal zu kompensieren.“

Besonders stolz zeigt sich der Rektor der Universität für Bodenkultur Wien über die Transparenz des Kompensationsprogramms. „Die Projekte sind nachrechenbar“, erläutert der Rektor, „die CO2-Kompensation ist mit allen Formeln und Annahmen auf der Homepage dokumentiert.“

Ein wesentlicher Punkt seien die Synergieeffekte, die daraus entstünden: „Wir arbeiten darüber hinausgehend Projekte im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit aus“, erklärt Martin Gerzabek: „Wir haben also einerseits die CO2-Kompensation, können aber andererseits auch im Sinne unseres gesellschaftlichen Auftrages in der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort etwas weiterbringen – und zwar nachvollziehbar, weil wir diese Projekte selber leiten.“