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Mit Agricultural Risk Information System dem Klimawandel trotzen

SA2018_ARIS_OS4S

ARIS gewinnt den 1. Platz des Sustainability Award 2018 in der Kategorie FORSCHUNG. Josef Eitzinger (Universität für Bodenkultur) spricht über das Projekt und die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Klimawandel und Nachhaltigkeit.

Monitoring- und Informationssystem zur Minimierung witterungsbezogener Risiken

Durch den Klimawandel häufen sich Extremwetterereignisse, wie etwa Starkregen, Hitzeperioden und Spätfröste. Das führt bei Pflanzen zu Stress und beeinflusst Produktivität und damit die nachhaltige Produktion von Nutzpflanzen. Es wird immer wichtiger, landwirtschaftliche EntscheidungsträgerInnen mit Informationen zu versorgen, welche helfen, ihre Produktionsmethoden entsprechend effektiv und nachhaltig anzupassen. Seit 2013 leitet dafür das Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur zwei Forschungsprojekte (AgroDroughtAustria und COMBRISK). Im Zuge dessen wurde das Agricultural Risk Information System (ARIS) entwickelt, um die witterungsbezogenen Risiken in der Landwirtschaft zu minimieren. Das Monitoring- und Informationssystem soll beispielsweise bei Gefahren durch Hitze und Trockenheit zur Anwendung kommen. Beim Sustainability Award 2018 wurde ARIS mit dem Gewinn in der Kategorie FORSCHUNG ausgezeichnet. Josef Eitzinger ist Institutsleiter und Projektansprechpartner. Er hat mit uns über ARIS und die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Klimawandel und Nachhaltigkeit gesprochen.

 

Frage 1: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Eitzinger: Das Problem mit der Nachhaltigkeit ist, dass es kein klar definierter Term ist und dass sie je nach Problemstellung unterschiedlich definiert werden kann. Nachhaltigkeit im Sinne des ARIS heißt umgesetzte Nachhaltigkeit. Das bedeutet, ARIS gibt den Nutzern und Nutzerinnen Informationen in die Hand, die es Ihnen ermöglichen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen, sowie Schäden in der landwirtschaftlichen Produktion zu verhindern oder zumindest zu vermindern.

 

Frage 2: Was hat Landwirtschaft mit Nachhaltigkeit zu tun?

Eitzinger: Jede Menge. Zum einen ist die Landwirtschaft räumlich gesehen die größte Boden- und Ressourcennutzerin in Österreich. Rund 50 Prozent der österreichischen Fläche werden landwirtschaftlich genutzt. Insofern haben landwirtschaftliche Aktivitäten enormen Einfluss auf unsere Böden. Der Boden spielt eine tragende Rolle in der Ökologie. Er ist Wasserspeicher, Lebensraum und Nährstoffspeicher und hat starken Einfluss auf das Klima. Zum anderen wird durch die Landwirtschaft unsere Nahrungsmittelversorgung sichergestellt. Das hat direkten Einfluss auf die Bevölkerung. Hier wird nicht nur die Quantität sondern auch die Qualität der Nahrungsmittel direkt davon beeinflusst, wie nachhaltig Lebensmittel produziert werden. Im Idealfall bewegt sich die Landwirtschaft im Rahmen aller drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. Das bedeutet, dass sie ökologisch-verträgliche Lebensmittel produziert, Arbeitsplätze schafft und zum Wirtschaftswachstum beiträgt.

 

Frage 3: Warum ist ARIS für eine nachhaltige Landwirtschaft wichtig?
Eitzinger: Mit ARIS kann man gewisse Indikatoren nutzen, um zum Beispiel Bodenerosion zu verhindern oder bei zunehmender Trockenheit oder Frostgefahr gezielte und effiziente Maßnahmen ergreifen zu können. So werden natürliche Ressourcen geschützt und eine langfristige Produktion gewährleistet. In der Landwirtschaft ist es unerlässlich, Umwelt und Mensch mitzudenken und gleichzeitig effizient wirtschaften zu können.

 

Frage 4: Welchen Mehrwert bietet ARIS den Nutzerinnen und Nuterzn?
Eitzinger: Da die Landwirtschaft so stark vom Wetter abhängig ist, will ARIS ein Werkzeug in die Hand geben, um Aktivitäten planbar zu machen und wirtschaftliche, menschliche und ökologische Risiken zu vermindern.

 

Frage 5: Laut Weltklimarat IPPC ist es in Sachen Klimawandel bereits 5 nach 12. Kann ARIS dabei helfen, den Klimawandel zu vermeiden, oder ist ARIS ein Tool, um uns an den Klimawandel anzupassen?
Eitzinger: ARIS ist auf jeden Fall ein Anpassungstool. Es bietet jedoch auch die Möglichkeit, Vermeidungsmaßnahmen umzusetzen, damit die Landwirtschaft langfristig gesehen weniger Treibhausgase emittiert. ARIS soll dazu beitragen, Boden zu schützen und natürliche Ressourcen effizienter zu nutzen, beispielsweise durch angepasste Düngung oder effizienteren Wassereinsatz. All das verringert Emissionen, welche aus fossilen Ressourcen stammen. So kann ARIS zum Klimaschutz beitragen.

 

Frage 6: Wie geht’s mit dem Projekt weiter?
Eitzinger: Das Agricultural Risk Information System bietet derzeit ein Monitoring, abgestimmt auf kurzfristige Vorhersagen. Es laufen derzeit Projekte, wo ARIS mit längerfristigen Wettervorhersagen verknüpft werden soll und einzelne Indikatoren mit dem Klimawandel in Beziehung gesetzt werden können. Wir planen zudem einige Projekte, auch in Kooperation mit anderen Hochschulen, wo Indikatoren des ARIS im Bereich Precision Farming nutzbar gemacht werden sollen. Hier kann ein Kompetenzzentrum geschaffen werden, in dem alle Teilbereiche des Precision Farming zusammenlaufen. Wir wollen ARIS in verschiedenen Forschungsprojekten weiterentwickeln.

 

Danke für das Gespräch.
Eitzinger: Danke.

 

Weiterführende Informationen

SA2018_ARIS_OS4S

Beitrag 2 der Serie “Das war der Sustainbility Award 2018”, verfasst von Bianca Blasl und Florian Leregger vom Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) für openscience4sustainability.